Berge des Wahnsinns

Gedächtnisstütze Maurice, die Erste

11.4.1933, nachts

So langsam wird das hier ganz schön verworren. Sollte es wohl besser mal aufschreiben, sonst komme ich selbst noch durcheinander. Es fing alles damit an, dass Toni mir jemand zum verarzten brachte und fragte, ob ich nicht Lust auf eine kleine Schiffsreise hätte. Habe ja sonst nichts zu tun, also habe ich zugesagt und seitdem einige Zeit mit den Leuten verbracht. Was in den letzten Tagen passiert ist, muss ich wohl mal gesondert aufschreiben. Gerade berichtete Ilse, dass der schwarze Matrose mit den Narben im feinen Nadelstreifenanzug von Bord ging, zusammen mit den anderen Titanic-Überlebenden.

Ilse und Emma bleiben heute Nacht wohl hier und wir werden Wachen einteilen. Nur Toni wagt sich hinaus in die Nacht, will zu einer Tänzerin.

12.4.1933

Trevor Wilkes ist wieder ansprechbar. Wilkes war Mitglied in der Gemeinde, wo das Correctional Center ist. Der Pastor war dessen Vorstand. Im fiel auf, dass Leute verschwanden. Er recherchierte und fand heraus, dass das Correctional Center der Mafia bzw. Carlos Santos Odinga gehört. Außerdem konnte er in Erfahrung bringen, dass Odinga einem Geheimbund namens „Die Titanen“ angehört. Der Geheimbund ist offenbar satanistisch und dient einem Dämon namens „gnarling Thotep“. Die jungen Männer verschwinden immer jedes Jahr im April. Das Ganze hat offenbar irgendetwas mit dem gelben Bahnwaggon zu tun, der immer am 14. April bewegt wird, und zwar irgendwohin nach Süd-Manhattan durch die Bahntunnel. Der Geheimbund trifft sich gerne im Black Pharao. Wilkes kann sich nicht erinnern, wie er gefangen genommen wurde. Wüsste gerne, was der genau intus hatte, klingt interessant.

Emma und Toni berichteten, dass in der Halle noch etwa 15-20 junge Männer waren. Wir überlegten, den Wagen zu verfolgen, und versuchten dazu, an Pläne der U-Bahn-Tunnel zu kommen und Einstiege zu finden. Toni kontaktierte das Schmuggler-Netzwerk und bekam ein handgezeichnetes Liniennetz mit Zugängen.

An der Fabrik sind wir nochmal vorbei, aber da war nichts auffälliges zu sehen. Der umgefahrene Zaun wurde gerade repariert.

Abends trafen wir uns für das Abschiedskonzert der Diva Silvia Atanasio in der NY Met (Metropolitan), einer riesigen Konzerthalle. Es waren viele aufgeregte andere Leute da, allerdings war das Konzert bei weitem nicht ausverkauft. Die Diva verkündete jedoch, dass das Konzert nur für geladene Gäste (ihre besten Freunde) sei. Das Konzert war sehr schön und verlief ansonsten ereignislos. Schließlich gab sie jedoch eine Zugabe. Dann wurde es sehr, sehr seltsam. Wir konnten uns kaum bewegen – offenbar ein Effekt, den Toni und Ilse schon mit Woyczek beim Geigenspiel im Park erlebt haben. Ilse und Toni schafften es, sich Watte (die sie sogar dabei hatten, nur nicht verwendet) in die Ohren zu stecken und halfen auch Emma und mir. Von dem seltsamen Lärm zersprang das Glas der Lampen und es bildeten sich Risse im Porzellan, die Musik machte mir unglaubliche Kopfschmerzen. Unter großen Anstrengungen versuchten wir, aus dem Konzertsaal zu kommen und schafften es schließlich, teils unter blutenden Ohren, während sich Risse in der Decke bildeten, der Kronleuchter und Teile der Decke ins Publikum stürzten, ein Teil des zweiten Rangs einsackte. Toni versuchte, die Diva zu erschießen, schaffte es aber nicht. Irgendwie schafften wir es nach draußen, wo man nichts mehr von der Musik hörte.

Zeit, über das soeben erlebte nachzudenken, hatten wir allerdings nicht. Auf der Straße erspähte der aufmerksame Toni ein Auto, dass anscheinend “extrem unauffällig” vorbeifuhr. Wir verfolgten es um die Ecke mit einem Taxi. Zwei Männer stiegen aus (einer war den anderen schon bekannt, sie nannten ihn die „Chimäre“, aufgrund seiner blau/schwarzen Augen) und gingen durch den Hintereingang in die Met. Toni und ich schlichen hinterher. Von den Männern fehlte drinnen jede Spur. Ich machte einen kurzen Umweg über die Garderobe und nahm Atanasias Köfferchen mit. Im Saal herrschte Chaos, Tote und Verwundete und Zerstörung. Die Diva, äußerlich unverletzt, lag auf der Bühne und sprach ein paar letzte Worte, bevor sie starb (mein Mitleid hielt sich in Grenzen), etwa: “Sie jubelten uns zu, Triumph auf dem Meer, als wir das Schicksal besiegten damals im Wasser, sie jubelten bei der Ankunft in New York, sie bauten ein Licht, dessen Schein auf unser Heiligtum im Park scheint. Denkt daran.”

Wir gaben die Suche nach den Männern auf (Emma und Ilse sahen sie noch aus einem anderen Eingang kommen) und fuhren zu mir. Im Köfferchen der Diva befanden sich Noten, auch die des letzten Stückes „From destiny to eternity“, im Text ist „Thotep“ erwähnt, aber sonst nichts besonderes; der Komponist ist Pavel Woyczek, der Geiger. Außerdem ein Adressbuch und ein Tagebuch. Der letzte Eintrag des Tagebuchs ist vom 11.4. und lautet in etwa: „Pavel ist tot, seine Seele ist mit Sicherheit verloren, jetzt bleiben nur noch wir beide. Aber ich kenne seinen Plan.“ Wir vermuten, dass sie von Odinga spricht, und dass Pavels Seele vielleicht verloren ist, weil der Schwarze ihn gestoppt hatte.

13.4.1933

Der Plan war, dass Ilse und Emma den Park an der Südspitze Manhattens untersuchen – erstens weil der gelbe Waggon offenbar in diese Richtung fährt und zweitens wegen des Heiligtums, dass die Diva erwähnt hatte. Den beiden fiel beim Besuch desselbigen das Seamen‘s Church Institute auf, wo sie den Kapitän des Schiffes getroffen hatten, auf dem Timothy Treehurn starb. Auf dem Institut befindet sich ein Leuchturm mit einem grünen Licht. Ein Schild bezeichnet den Leuchtturm als „Titanic Memorial Lighthouse“. Im Park fanden sie einen Snack-Pavillon, dessen Inneres mit ägyptischen Motiven geschmückt ist. Das Deckengemälde zeigt eine frühägyptische Pyramide und einige nubische Aspekte. Auf dem Dach des Pavillons ist eine pyramidenförmige Dachkonstruktion aufgesetzt. In Sichtweite befindet sich der Leuchtturm. Die nächste U-Bahnstation ist „Battery Park“.

Toni und ich suchten derweil einen Eingang zum U-Bahnnetz, um den gelben Waggon abfangen zu können. Wir tendieren aber eher dazu, einen Zugang im Park zu suchen, da wir nun recht sicher sind, dass der Pavillon das „Heiligtum“ ist. Morgen ist es soweit.

14.4.1933

Hätten wir lieber nicht hingehen sollen? Hätte es irgendwas geändert? Ich weiß es nicht. Zu spät. Ich bin todmüde und werde gleich schlafen, aber vorher notiere ich die Ereignisse des Tages besser noch. Sonst glaube ich morgen, ich hätte mal wieder zuviel Morphium intus gehabt und wirres Zeug geträumt… (Eva: Das macht keinen Sinn – wir hatten mit der Flucht durch die Tunnel aufgehört, aber beim nächsten Spielen erst gemerkt, dass das so nicht geklappt hat.)

Zunächst sprach Ilse nochmal mit dem Kapitän im Seamen‘s Church Institute. Sie besichtigten den Leuchtturm, sie fand jedoch nichts ungewöhnliches. Der Grundstein des Gebäudes wurde allerdings an dem Tag gelegt, als die Titanic unterging. Im Pavillon war für abends geschlossene Gesellschaft angekündigt, weil eine Hochzeit gefeiert werden sollte. Trevor Wilkes verschwunden, seine Frau verzweifelt.

Abends zum Pavillon. Dort tatsächlich Hochzeitsgäste. So versuchten wir, über die U-Bahnstation Battery Park unterirdisch zum Pavillon zu gelangen und den Waggon zu finden. Wir schlichen uns mit leichten Mühen in den Tunnel und arbeiteten uns unterirdisch in Richtung des Pavillons vor. Irgendwann hörten wir leise Stimmen und fanden eine Tür. Da Toni klugerweise die Scharniere ölte, bevor wir sie öffneten (der muss wohl Erfahrung mit sowas haben), überraschten wir den Kerl, der dahinter Wache hielt. Emma, für so ein Persönchen erstaunlich effektiv, tötete ihn mit ihrem Schwert, nachdem er auf uns geschossen hatte.

Hinter der Tür befand sich ein Gang, an dessen Ende eine Treppe nach oben führte. Zwei weitere Wachen verfolgten uns und ein weiterer Mann kam aus der anderen Richtung; wir schafften es nach kurzem Kampf, sie zu überwältigen. Oben an der Treppe war ein Vorratsraum. Dahinter befand sich ein Raum, aus dem monotoner Sprechgesang und rotes Licht hervordrangen. Wir gingen weiter, bis sich uns das erschütternde Bild in voller Schrecklichkeit bot: Das rote Leuchten stammte von einem quaderförmigen Stein in Raumesmitte. Darum lagen die entführten jungen Männer, mit eingeschlagenen Schädeln. Ihr Blut, floss, strömte zum Stein und schien das rote Licht, das zur Decke strahlte, geradezu zu speisen. Odinga saß dort mit freiem Oberkörper und schien irgendein Ritual durchzuführen. Um ihn gewickelt das gestohlene Mumienband. Er ließ sich durch uns nicht stören, und wir konnten ihm nichts tun. Auch Versuche, ihm das Mumienband wegzunehmen, völlig erfolglos. Muss sagen, dass ich sowieso nicht viel beitragen konnte, der Anblick war einfach zuviel für mich, und auch jetzt sehe ich es noch vor mir, sobald ich mich nicht darauf konzentriere, es nicht sehen zu wollen. Nach einigen Minuten spürten wir zudem eine eigenartige Präsenz im Raum, es fühlte sich etwas wie Hitze an.

Eine Treppe führte nach oben, mit einer Falltür am Ende. Durch diese kam die “Chimäre” und schoss auf uns. Toni zurück und tötet ihn. Odinga ging, recht unbeeindruckt, die Treppe nach oben. Wir folgten. Oben die Hochzeitsgäste im Pavillon, alle wie in Trance. Von Odinga nichts zu sehen, aber es führte eine Treppe hoch in die Pyramide auf dem Dach, die wir hochstiegen.

Oben waren wir im Innern der Pyramide. Sie war zwar aus normalen Brettern, aber einfach völlig falsch, unmöglich zusammengebaut. In der Mitte befand sich eine schwarze katzenartige Gestalt, die offenbar noch nicht ganz da war, aber sich gerade materialisierte. Sie hatte ein furchtbares Gesicht, das irgendwie sphinxartig aussah. Odinga stand in der Mitte der Sphinx und redete irgenwdie in der Hoffnung, dass die Sphinx bald richtig „da“ sei. Toni schaffte es endlich, ein Stück des Mumienbandes abzureißen, aber davon ab waren wir wieder äußerst uneffektiv. Der Schwarze mit den Narben, den die anderen offenbar auch schon gesehen hatten, kam die Treppe herauf. Er ging zu Odinga und drückte seine Hand zu, und Odinga fiel einfach um. Die Sphinx reagierte zornig und erstaunt, fing aber an, zu verblassen. Toni meinte, er fühlte sich mit seinem Stück Band, als hätte er Odingas Tod besiegelt. Der Mann, der seltsam lange Arme hatte, nickte uns kurz zu und ging einfach wieder. Odinga sprach „Wir hatten die Welt, und dann war es vorbei“, und starb. Als wir wieder herunter kamen, waren die Leute der Hochzeitsgesellschaft aus ihrer Trance erwacht und verhielten sich normal. Auch im Keller alles wieder normal, der Stein nicht außergewöhnlich. Toni verjagte die Leute, wir zündeten den Pavillon an (insbesondere die Pyramide und das Mumienband) und versuchten zunächst, durch die U-Bahntunnel zu flüchten.

Comments

smultron

I'm sorry, but we no longer support this web browser. Please upgrade your browser or install Chrome or Firefox to enjoy the full functionality of this site.