Berge des Wahnsinns

Letzte See-Etappe

Notizen von Maurice

18.10.1933

Nach dem Zwischenstop in Melbourne sind wir nun auf der letzten Etappe unserer Schiffsreise. Sechs etwas entspanntere Tage in der Stadt liegen hinter uns. Nachdem wir mit Jubel empfangen wurden und Hennings sofort abgeführt wurde, konnten wir einige Nächte an Land schlafen. Vorräte wurden aufgefüllt, langweilige Reden gehalten. Ich bin etwas durch die Stadt spaziert und fand in einem Antiquariat ein äußerst spannendes Buch über seltsame Krankheiten aus der Südsee. Der Antiquar schenkte mir außerdem ein kleines knisterndes Püppchen, dass offenbar als Glücksbringer der Maori-Fischer dient. Emma hat es etwas übertrieben. Auf der Suche nach frischen Lebensmitteln blieb sie die ganze Nacht weg und erzählte dann von Saufgelagen am Lagerfeuer: “Ich hoffe, dass ich nicht schwanger bin”. Etwas mehr Information, als ich mir gewünscht hätte.

19.10.1933

Der Maori-Fischer-Glücksbringer erscheint mir nicht besonders hilfreich. Nachdem wir gestern bei schönstem Wetter aufgebrochen waren und unsere ersten Wale – und das erste Eis – sahen, zog kurz darauf ein fürchterlicher Sturm auf. Mit Toni und zwei Hundeführern musste ich übers Deck in den Laderaum, eine äußerst halsbrecherische Angelegenheit, weil sich dort zwei Motorkisten gelöst hatten, inklusive ausgelaufenem Benzin. Zum Glück wurde niemand ernsthaft verletzt.

5.11.1933

Inzwischen ist der Anblick von Eis keine Seltenheit mehr, sondern Alltag. Wir folgen einer Fahrrinne durchs Packeis. Inklusive eines weiteren Sturms. Immerhin sitzt die SS Thalahassie 500 km entfernt im Packeis fest.

6.11.1933

Wir sind durch dichten Nebel gefahren und machten abends eine grausige Entdeckung. Ein Walfänger namens Wallaroo saß im Eis fest. Nur Überreste von Menschen konnten wir finden. Laut Logbuch hat eine Kesselexplosion das Schiff lahmgelegt. Der Kapitän, geplagt von Wundbrand, hat das noch notiert und sich schließlich umgebracht. Wir haben das restliche Benzin des Schiffes benutzt, um es mitsamt den Überresten anzuzünden.

14.11.1933

Wir sind angekommen! Gerade läuft die Entladung des Schiffs, um das Basislager auf dem unteren Schelf zu errichten. Vor zwei Tagen waren wir endlich durch das Packeis und im Ross-Meer angekommen. Noch zwei Tage früher hat allerdings Miss Lexington ihr Basislager in der Ross-Bucht errichtet. Hat sie es also doch noch geschafft.

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smultron

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