Berge des Wahnsinns

Aus dem Tagebuch von Toni "the Arab" Marcone
New York

5. April 1933
Der Name Porter kam mir zwar im Zusammenhang mit Coney Island bekannt vor, habe aber trotz meiner Kontakte dort nichts über ihn rausfinden können. Entweder verwischt der seine Spuren sehr gut, oder ich habe mich dumm angestellt.
Ilse war heute bei diesem Harlem Institute. Die Kids werden dort von Sozialamt, Polizei oder Staatsanwaltschaft abgeliefert; jeden Monat werden welche “zur Eisenbahn transferiert” [Anm.v. Mücke: Habe neulich gelesen, dass Schienenlegen ein Job war, den nur die dauernd besoffenen Iren gemacht haben, weil selbst die Sklavenbesitzer ihr Eigentum nicht so zu Grunde richten wollten!] oder entlassen. Anschließend hört keiner der “Insassen” mehr was von denen.
Abends beim Essen haben Ilse und ich uns zum Interview mit Jacobson am nächsten Tag verabredet. Mindy wird schon ganz eifersüchtig, weil ich so viel Zeit mit diesem “Blaustrumpf” verbringe. Mindy sollte sich besser auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren!

6. April 1933
Ilse bekam heute morgen die Doktorarbeit ihre Assistenten Steve bekommen. Darum geht es wohl um „Plattentektonik“ (was auch immer das sein soll…). Außerdem gab er ihr eine Liste mit Erdbeben in NY in den letzten Jahren: Nach Abgleich der Liste mit dem Zeitungsarchiv kam raus, dass zwei der Erbeben mit Tournee_Daten von Wojcek zusammenfallen. Danach hat er seine Tournee abgebrochen und nie wieder mehr als kurze Gastauftritte absolviert. Seltsam.
Außerdem telefonierte sie mit Starkweather wegen Interviews für einen „personal angle“ der Expedition. Er empfahl ihr zwei Teilnehmer: Eine Ms. Liechtenstein, die auch in der Jury für dieses langweilige Kunst-Dingens sitzt, und Martin Donaghy, einen reichen Playboy. Mit dem hat sich Ilse für den 10ten bei einer Party von J. Porter (!) verabredet.
Als ich Ilse im Büro abholen wollte, parkte ein verdächtig aussehender Schwarzer auf der anderen Straßenseite. Meinen Versuch ihn zu stellen musste ich allerdings abbrechen als er mir dezent seine abgesägte Schrotflinte zeigte. Sein Nummernschild ist aber auf jemanden zugelassen, der sich auf Autos für den Mob spezialisiert hat. Da werde ich mal nachhaken.
Abends trafen wir Capt. Jacobson im Seaman’s Church Institute nahe des Hafens. Der ist über 70 und trinkt ständig Grog. An Trehern und die Überfahrt auf der dieser starb/verschwand erinnert er sich gut: Bei sternenklarer Nacht lief sein Kreuzfahrtschiff mitten im tiefen Ozean plötzlich auf ein Hindernis auf, ohne dass die Besatzung einen Grund ausfindig machen konnte. Treherne tauchte abends dann nicht zum Captain’s Dinner auf. Als ein Stewart nachschauen ging, fand er das Zimmer von innen verschlossen vor. Treherne war aber nicht drin, sondern nur ein großer Klumpen oder Fleck einer teerartigen Masse, die die Besatzung noch am selben Abend ins Meer kippte. Treherne ist also nicht an einem Herzinfarkt gestorben, wie in der Zeitung stand, sondern verschwunden. Bemerkenswert waren noch zwei Dinge: In der Kabine fand sich eine ca. 20cm hohe Statue eines schwarzen (also tatsächlich afrikanisch aussehenden) Pharaoh und beim Verklappen der Teer-Masse half ein schwarzer Matrose. J. konnte sich damals nicht an ihn erinnern und schaute daher im Besatzungsverzeichnis nach, wo auch kein schwarzer Matrose verzeichnet war!

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Aus den Notizen von Ilse Shoeman
New York

1. April 1933
War gerade bei meinem Chefredakteur Henri. Der Aufsichtsrat der NGS hat sich zur Expedition noch nicht abschließend geäußert. Aber mein Chefredakteur Henri will natürlich weiter darüber berichten. Möglichst mehr persönliches … Also, ich bleib dran.
Und ansonsten habe ich einen netten kleinen Auftrag: Er schickt mich als Vertreterin des NG in die Jury eines Kunstwettbewerbs des Salmagundi Club. Der richtet eine Ausstellung/ Wettbewerb mit jungen Künstlern aus und will wohl wieder etwas ins Bewusstsein der Stadt rücken. Haben jedenfalls mehrere namhafte Vertreter NYs in die Jury geladen. Darunter Malcolm Smithers (Privatbanker) plus Ehefrau Penelope, Constantin O’Shears – der darf als geschwätziger Kunstkolumnist (Arkham Advertiser) natürlich nicht fehlen, die Künstler Lydia Gustavson und Robert Glears und eine Psychologin namens Liechtenstein. Morgen mittag findet das erste Treffen statt. Danach treffe ich mich endlich mit Mia auf den längst überfälligen Tee im Central Park.

2. April 1933
Das war einer der verrücktesten Tage meines Lebens … oder aber ich bin nicht ganz bei Sinnen …
Angefangen hat es im Salmagundi Club. Das erste ungewöhnliche Ereignis des Tages: die Mafia scheint sich aus irgendeinem (mir noch nicht erkenntlichen) Grund für den Wettbewerb zu interessieren. Jedenfalls tauchte ein riesiger, nadelgestreifter Toni Marcone auf und ist nun auch Jurymitglied. Und für mich auch überraschend, scheint er ein begeisterter Leser des National Geographic zu sein und war wohl daher vertraut mit meinen Namen. Ansonsten verlief das Treffen dort erwartungsgemäß und mit jeder Menge Smalltalk.
Toni hat mich dann beim Gehen abgefangen und in den Central Park begleitet. Stellte sich heraus, dass er nicht nur den Stalkweather-Artikel gelesen hatte, sondern darüber hinaus höchstpersönlich an der Expedition teilnehmen wird. Unfassbar! – aber ich würde sagen, Henri bekommt seine persönlichen Eindrücke in die Expedition. Haben uns für nächste Woche zu einem ausführlicheren Gespräch verabredet.
Im Central Park passierte dann etwas, von dem ich mir nicht sicher bin, wie viel Zufall sein kann oder Einbildung, aber wir haben es ja beide erlebt: unsere Aufmerksamkeit wurde auf einen alten Geigenspieler gezogen, genaugenommen habe ich den Eindruck, dass wir von ihm angezogen wurden … und nicht nur wir. Es bildete sich eine Traube von Menschen um ihn – ein über die Maßen verzauberndes Geigenspiel! Es war, als würde es mich ganz und gar ausfüllen und in seinen Bann ziehen. Die Blätter der Bäume ringsum erzittern. Ein Ast knickte ab und aus dem Augenwinkel sah ich wie einem der Zuhörer ein Blutrinnsal aus dem Auge und das Gesicht hinunterlief … in einem Hochhaus weiter hinten bildete sich ein Riss, die ganze Erde bebte …. Ich wollte davonlaufen, konnte mich aber nicht lösen. Toni hob mich hoch, wollte uns beide wegbringen, hatte aber offensichtlich auch große Mühe sich zu bewegen … Bis plötzlich ein sehr vornehm gekleideter Schwarzer schnellen Schrittes auf den Alten zuging, ihm die Geige entriss und sie zerbrach. Der Musikant fiel zu Boden, der Schwarze verschwand. Der Bann schien gebrochen. Toni hechtete dem Schwarzen hinterher. Ich kniete mich zum Alten – er starb vor meinen Augen. Ich durchwühlte seinen Taschen solange mich noch keiner der anderen Umstehenden groß beachtete. Seine Schlüssel ließ ich in meiner Tasche verschwinden, merkte mir die Adresse von seinen Papieren – sein Name war Pavel Woyczek, ließ sie aber mitsamt einer ganzen Menge an Geld bei ihm liegen. Ich skizzierte die Szenerie. Auf der Rückseite der Geigenstücke fand ich ein paar außergewöhnliche Hieroglyphen und einen afrikanisch aussehenden Pharaoh-Kopf…
Toni hatte den Kerl nicht erwischt, der schien sich in Luft aufgelöst zu haben.
Ein paar schnelle Entscheidungen getroffen: natürlich die Redaktion benachrichtigt, sie sollten jemanden schicken, der Fotos machte etc. Dann machten wir uns auf den Weg zur Adresse des Geigers. Denn sowohl Toni als auch ich zweifelten fast am soeben Erlebte, aber gut wir waren zu zweit und wir mussten mehr darüber herausfinden.

In Pavels Wohnung in Hell’s Kitchen fanden wir:
Einen Zettel mit einer Telefonnummer (ohne Namen) in einer Manteltasche im Schrank.
In einer Kammer hinter der Küche waren sämtliche Wände mit Zeitungsartikeln übersät, die sich offenbar immer um dieselben Personen drehten. Haben sie eingepackt und ich habe sie zur Auswertung meinem Assistenten Steve Gohouri gegeben.
Ansonsten den Eindruck, dass er es sich wohl ausgesucht hatte hier, in einer der ärmsten Löcher zu wohnen, nötig hatte er es wohl nicht.
Die Befragung der Nachbarn ergab nicht viel: schien ein zurückhaltender, hilfsbereiter Zeitgenosse gewesen zu sein. Einzig für ein wenig Aufsehen gesorgt, hatte das gelegentliche Auftauchen eines Rolls Royce, der ihn abholte und der geheimnisvolle Schwarze war zumindest auch einmal hier gewesen.

3. April 1933
In den Zeitungen wird zwar in kleinen Meldungen über den Tod Pavels (Herzschlag) berichtet, aber über nichts außergewöhnliches in dem Zusammenhang, der Rest wird auf ein kleines Beben zurückgeführt, auch der Officer Jeremy McGuirre, mit dem ich telefoniere findet nichts besonderes an dem Fall.

4. April 1933
Heute Mittagessen mit Toni, haben uns die Recherchearbeiten aufgeteilt und dann über die Expedition und sein Interesse daran gesprochen. Stellt sich heraus, dass er damals einen Blick auf die Fundstücke der … Expedition werfen konnte – Ist wohl „irgendwas schief gelaufen mit der korrekten Zustellung im Hafen“ damals – da muss ich unbedingt noch mehr aus ihm rauskriegen, tut sich etwas schwer damit …
Verrückt, ist ja nur noch ein kleiner Teil der Ausstellung zu sehen, fast alles ist unter Verschluss …

Was wir danach herausgefunden haben:

1. Namen aus den Zeitungsschnipseln + von Toni und Ilse dazu Recherchiertes:

Porter (Coney Island): Toni recherchiert
Timothy Treherne †: gestorben am 03.01.1913 während einer Überfahrt der AMS Alberta von NY nach Southhampton; Earl of Fairbanks, aktiv im Essex Sportsman’s Club, Toni hat den Kapitän von damals ausfindig gemacht, einen gewissen Lars Jacobson. Besuch steht noch aus …
Sam Richester †: Börsenmakler (vermehrt Ausschnitte aus Handelsblättern), Tonis Gespräch mit dem Capo von Al Mineo (vorher D’Aquila – Familie) ergab: R. war Schuldner und wurde von Mineo umgebracht – lieh sich 1928 ne Menge Geld (als erfolgreicher Börsenmakler), dann kam der Crash von 1929…
Sylvia Atanascio: Berühmte Opernsängerin. Ilse hat einen Interviewtermin am 08.04., Toni will sie begleiten
Carlos Odinga (oder Santoz): Gründer des „Harlem Correctional Institute for Misguided Youth”, was gleichzeitig auch ein Hort der Bürgerbewegung ist. Ilse ist gerade bei einem Besuchstermin vor Ort, vielleicht kann man darüber nen Artikel schreiben… Odinga selbst scheint nicht anwesend zu sein, der verantwortliche Pater ist gesprächig, aber irgendwas scheint faul, über Odinga sagt er nicht viel, außer, dass er ihnen vor Ort freie Hand lässt und mehr als Schirmherr fungiert; ein Jugendlicher zeigt ihr das Gelände, ist schwer mit ihm ins Reden zu kommen, insgesamt wirken die Jugendlichen allesamt etwas eingeschüchtert, bestenfalls übervorsichtig. Toni hat herausgefunden das Odinga zu den Leuten von Dutch Schultz gehört.

2. Erdbeben in NY

Ilses Assistent beschafft ihr eine Übersicht über die Erdbeben der jüngeren Vergangenheit in NY, vielleicht gab es ja andere merkwürdige Begebenheiten wie diese…
stellt sich heraus dass Ilses Assistent seine Abschlussarbeit über Plattentektonik geschrieben hat.

3. die Telefonnummer

gehört einem Matschewscy, wiederum ein enger Freund Pavels, (eine Art Ziehsohn?), Toni hat ihn aufgesucht, er sehr redselig, hat ne Menge über Pavel Woyczek erzählt, ergänzt durch ein paar Infos die Ilse noch bei einem Essen mit Constantin O’Shears bekam:
Einreise Pavels ca. 1910/11
Hatte so ein paar alte Kontakte, mit denen er sich noch regelmäßig traf, darunter auch die Opernsängerin, ihr gehörte auch der von den Nachbarn gesehene Rolls Royce.
P. besaß mehrere eigene Theater in der Stadt, ergo hatte er keine Geldsorgen und sich seinen Lebensstil so wie er war ausgesucht.
War zwar ein begnadeter Geigenspieler und auch mal auf Tour, aber der Durchbruch kam nicht.
War in schlechter Verfassung in den letzten Wochen und Monaten und hatte seinen Tod angekündigt, kam ein paar Tage zuvor vorbei und hat sich quasi verabschiedet: „Wir sehen uns nicht wieder.“
„war auch mal im Museum“, hatte wohl auch Interesse an Hieroglyphen usw.
Toni ist zur Trauerfeier eingeladen.

Vermutung unsererseits: die „alte Clique“ hat sich vielleicht bei der Einreise auf dem Schiff kennengelernt?

4. Hieroglyphen + unzugänglicher Teil der Ausstellung

Ilse will mehr über die Hieroglyphen herausfinden, kontaktiert dazu einen alten Professor (Charles Dwayne Wilson), der die z.Z. gastierende Ausstellung betreut. Er wird für sie Kontakte zu Kollegen herstellen wg. Zugang zum verschlossenen Teil der Ausstellung in Arkham, sie lässt ihm Belegexemplare des NG zukommen.

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Aus dem Tagebuch von Ilse Shoeman
New York

5. März 1933
Die Schiffsreise zurück nach NY bot ungeheuer viel Interessantes. Es waren so einige spannende Leute an Bord, v.a. junge Schriftsteller und Künstler, die es sich nicht leisten können, anders zu reisen. Oder aber dieser Art etwas sehr romantisches abgewinnen können …
Den Gesprächen entnehme ich, dass es wohl ergiebiger gewesen wäre in Tanger zu verweilen. Es entwickelt sich offensichtlich zu einem Magneten für Künstler aus aller Welt …
Die Fotos aus dem Landesinneren sind zwar allesamt ausgezeichnet. Aber an Inhaltlichem mangelt es der Reportage doch. Konnte mich auch kaum einen Meter allein bewegen. Und dieser französische Major ging mir mit seiner Aufpasser-Manier ungeheuer auf die Nerven.
Aber Henri hat es abgesegnet. Schien auch nicht begeistert, aber gut. Sein Interesse galt mehr einer anderen Neuigkeit – Und das ist auch ein Ding!
Der bekannte Expeditionsleiter James Starkweather plant tatsächlich eine neue Expedition in die Antarktis und es soll noch in diesem Jahr losgehen!
Die Schlagzeilen von der ersten sind mir noch gut im Gedächtnis, hat ja für einigen Wirbel gesorgt … zumindest anfangs. Wenn ich es mir recht überlege, ist es doch sehr still geworden um die Ereignisse von damals. Dabei ist es gar nicht so lange her. 2 oder 3 Jahr denk ich, seit ihrer katastrophalen Rückkehr.
NYT und Arkham Advertiser sind schon wieder vorn dabei. Und Henri will natürlich auch darüber berichten, also ich soll mich dranhängen.

9. März 1933
Die offiziellen Empfänge sind alle schon gelaufen. Also hab ich meine alten Studienkontakte aufgewärmt. Besonders viel Hintergründiges ist nicht dabei bei rumgekommen. Also direkt vor bis zur Schlossallee – hab einen Interviewtermin mit Starkweather persönlich.

11. März 1933
Was ein aufgeblasener Fatzke, dieser Starkweather. Unglaublich überzeugt von sich und vom Gelingen seines Vorhabens.
Glücklicherweise war auch Prof. William Moore beim Interview anwesend. Offensichtlich der wissenschaftliche Leiter, neben Starkweather als Vorzeigeanführer.
Der konnte mir das Vorhaben jedenfalls fundiert auseinandersetzten. Jetzt bin ich überzeugt, dass es eine abenteuerliche Fahrt wird, aber machbar.
Ist schon Wahnsinn, was die alles an wissenschaftlichen und technischen Neuerungen an Bord geholt haben.
An Fachpersonal scheint es aber noch ein wenig zu mangeln. Bewerbungen nehmen sie auch noch entgegen.
Jedenfalls, das Interview wird Henri gefallen, eine gelungene Mischung aus persönlicher Utopie und Fachwissen.

12. März 1933
Etwas an dieser Expedition läßt mich nicht los …
Wäre es nicht ganz wunderbar, einmal selbst diese Welt hinterm Packeis zu erkunden. Nicht nur von den weißen Flecken auf meinen Karten zu träumen.
Und was für Material gäbe das für meine Forschungen! Die habe ich auch schon wieder viel zu lange hinten angestellt.
Und wenn es richtig gut läuft, ist Henri auch noch von der Idee begeistert, mit der NGS an Bord vertreten zu sein und ich müsste mir ums Finanzielle keine Sorgen machen.
Bin später eh in der Stadt um das Interview abzugeben. Dann sprech ich das an. Und dann bewerbe ich mich vielleicht tatsächlich morgen schon um einen Posten als Geologin für die Expedition. Was für eine Vorstellung – ich inmitten dieser ehrfurchtgebietenden Berge und Gletscher, da werden die Menschen wohl unwichtig.

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Aus dem Tagebuch von Tony „the Arab“ Marcone
New York

12. Februar 1931
Expedition von Prof. William Dyer legt im Hafen an. Sind Anfang 1930 unter großem Trara losgefahren, sehen jetzt aber nicht grade triumphal aus. Neben ner Menge Zinksärgen werden große Menge Papiere und Kisten voller Krempel ausgeladen. Einige Kisten Papiere und Kram werden verlegt und landen erst mal im Fundbüro. Nach Durchsicht stelle ich zwei Dinge fest: 1. Nichts von dem Krempel lässt sich zu Geld machen, wenn man nicht grade gute Beziehung zu den Eierköpfen hat, die so alter Kram interessiert und 2. Dyers Tagebücher sind… verstörend? Faszinierend? Habe sie verschlungen und kann seitdem fast an nichts anderes mehr denken. Und diese kleine Skulptur! Seit Wochen träume ich jede Nacht von dem verdammten Ding. Nur ist sie in meinem Traum etwa 25 Fuß groß, in Fackelschein getaucht und wird von kreischenden, tanzenden Gestalten umdrängt. Wache jedes mal schweißgebadet auf. Verdammt lästig.

15. April 1931
Hässliche Sache, aber Masseria hat es ja so gewollt. Kommt als Neuling nach NY und will sich auf nen Thron setzen, ohne dass Lucky und die anderen Bosse, die schon hart dafür gearbeitet haben nen Mucks tun? Das hat er jetzt davon. Zum Glück hatten wir den Überraschungseffekt auf unserer Seite, sonst hätten mehr von unseren Jungs ins Gras gebissen. Hatte Glück und hab nur nen Streifschuss abbekommen.

22. September 1931
In der Uni Arkham findet Eröffnung der ständigen Sammlung aus der Expedition statt. Fahre hin und nehme Susi mit, so dass ich den Jungs sagen kann, sie hätte mich mit ihrem Geschwätz über romantische Wochenendausflüge so lange genervt bis ich zugestimmt hätte. Hoffentlich hält sie auf der Fahrt mal für mehr als fünf Minuten die Klappe.
Nachtrag: Ausflug war ne Enttäuschung. Susi hat die ganze Zeit gequengelt wie langweilig es wäre und ich muss ihr leider zustimmen. Die Eierköpfe haben offensichtlich nicht den blassesten Schimmer wo dieser alte Kram herkommt, auch wenn jeder von denen zwei verschiedene Theorien dazu zu haben scheint. Bin jetzt eher noch verwirrter und neugieriger.

[…]

3. März 1933
In der NYT und im Arkham Advertiser waren Artikel über eine neue Expedition zum Südpol! Da muss ich mit! Vielleicht gibt’s mal ein paar Antworten, wenn nicht nur die Eierköpfe, sondern auch noch jemand mit gesundem Menschenverstand mitfährt. Einer der Leiter der Expedition, ein gewisser James Starkweather, hält am kommenden Montag nen Vortrag über die Expedition. Da werde ich mal mit ihm reden.

6. März 1933
Der Vortrag klang ganz vielversprechend und Starkweather machte den Eindruck von jemandem, der weiß was er tut. Hab ihn im Anschluss an seinen Vortrag für morgen Abend zum Essen eingeladen. Dann werde ich ihm meinen Vorschlag unterbreiten.

7. März 1933
Habe Starkweather und den anderen Leiter der Expedition, einen hühnerbrüstigen Eierkopf namens Prof. William Moore, zum Dinner getroffen. Sind uns einig geworden: Ich schieße 1.200 $ zur Expedition dazu und dafür kann ich als Mann fürs Grobe mit. Wer weiß, vielleicht muss ja mal jemand auf Eisbären schießen, oder sowas. Nachdem Lucinda schon die ganze Zeit hohlköpfig dazwischen quatschte, hatte ich kein schlechtes Gewissen mehr sie in NY sitzen zu lassen. Trotz ihres tollen Arsches.
Muss mich mal mit dem Consigliere, Davide “Bacon” Brivio, unterhalten und ihm schonend beibringen, dass ich ne Weile weg sein werde. Außerdem muss ich einkaufen! Was braucht man eigentlich so am Südpol?

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