Berge des Wahnsinns

Aus dem Tagebuch von Tony „the Arab“ Marcone
New York

12. Februar 1931
Expedition von Prof. William Dyer legt im Hafen an. Sind Anfang 1930 unter großem Trara losgefahren, sehen jetzt aber nicht grade triumphal aus. Neben ner Menge Zinksärgen werden große Menge Papiere und Kisten voller Krempel ausgeladen. Einige Kisten Papiere und Kram werden verlegt und landen erst mal im Fundbüro. Nach Durchsicht stelle ich zwei Dinge fest: 1. Nichts von dem Krempel lässt sich zu Geld machen, wenn man nicht grade gute Beziehung zu den Eierköpfen hat, die so alter Kram interessiert und 2. Dyers Tagebücher sind… verstörend? Faszinierend? Habe sie verschlungen und kann seitdem fast an nichts anderes mehr denken. Und diese kleine Skulptur! Seit Wochen träume ich jede Nacht von dem verdammten Ding. Nur ist sie in meinem Traum etwa 25 Fuß groß, in Fackelschein getaucht und wird von kreischenden, tanzenden Gestalten umdrängt. Wache jedes mal schweißgebadet auf. Verdammt lästig.

15. April 1931
Hässliche Sache, aber Masseria hat es ja so gewollt. Kommt als Neuling nach NY und will sich auf nen Thron setzen, ohne dass Lucky und die anderen Bosse, die schon hart dafür gearbeitet haben nen Mucks tun? Das hat er jetzt davon. Zum Glück hatten wir den Überraschungseffekt auf unserer Seite, sonst hätten mehr von unseren Jungs ins Gras gebissen. Hatte Glück und hab nur nen Streifschuss abbekommen.

22. September 1931
In der Uni Arkham findet Eröffnung der ständigen Sammlung aus der Expedition statt. Fahre hin und nehme Susi mit, so dass ich den Jungs sagen kann, sie hätte mich mit ihrem Geschwätz über romantische Wochenendausflüge so lange genervt bis ich zugestimmt hätte. Hoffentlich hält sie auf der Fahrt mal für mehr als fünf Minuten die Klappe.
Nachtrag: Ausflug war ne Enttäuschung. Susi hat die ganze Zeit gequengelt wie langweilig es wäre und ich muss ihr leider zustimmen. Die Eierköpfe haben offensichtlich nicht den blassesten Schimmer wo dieser alte Kram herkommt, auch wenn jeder von denen zwei verschiedene Theorien dazu zu haben scheint. Bin jetzt eher noch verwirrter und neugieriger.

[…]

3. März 1933
In der NYT und im Arkham Advertiser waren Artikel über eine neue Expedition zum Südpol! Da muss ich mit! Vielleicht gibt’s mal ein paar Antworten, wenn nicht nur die Eierköpfe, sondern auch noch jemand mit gesundem Menschenverstand mitfährt. Einer der Leiter der Expedition, ein gewisser James Starkweather, hält am kommenden Montag nen Vortrag über die Expedition. Da werde ich mal mit ihm reden.

6. März 1933
Der Vortrag klang ganz vielversprechend und Starkweather machte den Eindruck von jemandem, der weiß was er tut. Hab ihn im Anschluss an seinen Vortrag für morgen Abend zum Essen eingeladen. Dann werde ich ihm meinen Vorschlag unterbreiten.

7. März 1933
Habe Starkweather und den anderen Leiter der Expedition, einen hühnerbrüstigen Eierkopf namens Prof. William Moore, zum Dinner getroffen. Sind uns einig geworden: Ich schieße 1.200 $ zur Expedition dazu und dafür kann ich als Mann fürs Grobe mit. Wer weiß, vielleicht muss ja mal jemand auf Eisbären schießen, oder sowas. Nachdem Lucinda schon die ganze Zeit hohlköpfig dazwischen quatschte, hatte ich kein schlechtes Gewissen mehr sie in NY sitzen zu lassen. Trotz ihres tollen Arsches.
Muss mich mal mit dem Consigliere, Davide “Bacon” Brivio, unterhalten und ihm schonend beibringen, dass ich ne Weile weg sein werde. Außerdem muss ich einkaufen! Was braucht man eigentlich so am Südpol?

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Aus dem Tagebuch von Ilse Shoeman
New York

5. März 1933
Die Schiffsreise zurück nach NY bot ungeheuer viel Interessantes. Es waren so einige spannende Leute an Bord, v.a. junge Schriftsteller und Künstler, die es sich nicht leisten können, anders zu reisen. Oder aber dieser Art etwas sehr romantisches abgewinnen können …
Den Gesprächen entnehme ich, dass es wohl ergiebiger gewesen wäre in Tanger zu verweilen. Es entwickelt sich offensichtlich zu einem Magneten für Künstler aus aller Welt …
Die Fotos aus dem Landesinneren sind zwar allesamt ausgezeichnet. Aber an Inhaltlichem mangelt es der Reportage doch. Konnte mich auch kaum einen Meter allein bewegen. Und dieser französische Major ging mir mit seiner Aufpasser-Manier ungeheuer auf die Nerven.
Aber Henri hat es abgesegnet. Schien auch nicht begeistert, aber gut. Sein Interesse galt mehr einer anderen Neuigkeit – Und das ist auch ein Ding!
Der bekannte Expeditionsleiter James Starkweather plant tatsächlich eine neue Expedition in die Antarktis und es soll noch in diesem Jahr losgehen!
Die Schlagzeilen von der ersten sind mir noch gut im Gedächtnis, hat ja für einigen Wirbel gesorgt … zumindest anfangs. Wenn ich es mir recht überlege, ist es doch sehr still geworden um die Ereignisse von damals. Dabei ist es gar nicht so lange her. 2 oder 3 Jahr denk ich, seit ihrer katastrophalen Rückkehr.
NYT und Arkham Advertiser sind schon wieder vorn dabei. Und Henri will natürlich auch darüber berichten, also ich soll mich dranhängen.

9. März 1933
Die offiziellen Empfänge sind alle schon gelaufen. Also hab ich meine alten Studienkontakte aufgewärmt. Besonders viel Hintergründiges ist nicht dabei bei rumgekommen. Also direkt vor bis zur Schlossallee – hab einen Interviewtermin mit Starkweather persönlich.

11. März 1933
Was ein aufgeblasener Fatzke, dieser Starkweather. Unglaublich überzeugt von sich und vom Gelingen seines Vorhabens.
Glücklicherweise war auch Prof. William Moore beim Interview anwesend. Offensichtlich der wissenschaftliche Leiter, neben Starkweather als Vorzeigeanführer.
Der konnte mir das Vorhaben jedenfalls fundiert auseinandersetzten. Jetzt bin ich überzeugt, dass es eine abenteuerliche Fahrt wird, aber machbar.
Ist schon Wahnsinn, was die alles an wissenschaftlichen und technischen Neuerungen an Bord geholt haben.
An Fachpersonal scheint es aber noch ein wenig zu mangeln. Bewerbungen nehmen sie auch noch entgegen.
Jedenfalls, das Interview wird Henri gefallen, eine gelungene Mischung aus persönlicher Utopie und Fachwissen.

12. März 1933
Etwas an dieser Expedition läßt mich nicht los …
Wäre es nicht ganz wunderbar, einmal selbst diese Welt hinterm Packeis zu erkunden. Nicht nur von den weißen Flecken auf meinen Karten zu träumen.
Und was für Material gäbe das für meine Forschungen! Die habe ich auch schon wieder viel zu lange hinten angestellt.
Und wenn es richtig gut läuft, ist Henri auch noch von der Idee begeistert, mit der NGS an Bord vertreten zu sein und ich müsste mir ums Finanzielle keine Sorgen machen.
Bin später eh in der Stadt um das Interview abzugeben. Dann sprech ich das an. Und dann bewerbe ich mich vielleicht tatsächlich morgen schon um einen Posten als Geologin für die Expedition. Was für eine Vorstellung – ich inmitten dieser ehrfurchtgebietenden Berge und Gletscher, da werden die Menschen wohl unwichtig.

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Aus den Notizen von Ilse Shoeman
New York

1. April 1933
War gerade bei meinem Chefredakteur Henri. Der Aufsichtsrat der NGS hat sich zur Expedition noch nicht abschließend geäußert. Aber mein Chefredakteur Henri will natürlich weiter darüber berichten. Möglichst mehr persönliches … Also, ich bleib dran.
Und ansonsten habe ich einen netten kleinen Auftrag: Er schickt mich als Vertreterin des NG in die Jury eines Kunstwettbewerbs des Salmagundi Club. Der richtet eine Ausstellung/ Wettbewerb mit jungen Künstlern aus und will wohl wieder etwas ins Bewusstsein der Stadt rücken. Haben jedenfalls mehrere namhafte Vertreter NYs in die Jury geladen. Darunter Malcolm Smithers (Privatbanker) plus Ehefrau Penelope, Constantin O’Shears – der darf als geschwätziger Kunstkolumnist (Arkham Advertiser) natürlich nicht fehlen, die Künstler Lydia Gustavson und Robert Glears und eine Psychologin namens Liechtenstein. Morgen mittag findet das erste Treffen statt. Danach treffe ich mich endlich mit Mia auf den längst überfälligen Tee im Central Park.

2. April 1933
Das war einer der verrücktesten Tage meines Lebens … oder aber ich bin nicht ganz bei Sinnen …
Angefangen hat es im Salmagundi Club. Das erste ungewöhnliche Ereignis des Tages: die Mafia scheint sich aus irgendeinem (mir noch nicht erkenntlichen) Grund für den Wettbewerb zu interessieren. Jedenfalls tauchte ein riesiger, nadelgestreifter Toni Marcone auf und ist nun auch Jurymitglied. Und für mich auch überraschend, scheint er ein begeisterter Leser des National Geographic zu sein und war wohl daher vertraut mit meinen Namen. Ansonsten verlief das Treffen dort erwartungsgemäß und mit jeder Menge Smalltalk.
Toni hat mich dann beim Gehen abgefangen und in den Central Park begleitet. Stellte sich heraus, dass er nicht nur den Stalkweather-Artikel gelesen hatte, sondern darüber hinaus höchstpersönlich an der Expedition teilnehmen wird. Unfassbar! – aber ich würde sagen, Henri bekommt seine persönlichen Eindrücke in die Expedition. Haben uns für nächste Woche zu einem ausführlicheren Gespräch verabredet.
Im Central Park passierte dann etwas, von dem ich mir nicht sicher bin, wie viel Zufall sein kann oder Einbildung, aber wir haben es ja beide erlebt: unsere Aufmerksamkeit wurde auf einen alten Geigenspieler gezogen, genaugenommen habe ich den Eindruck, dass wir von ihm angezogen wurden … und nicht nur wir. Es bildete sich eine Traube von Menschen um ihn – ein über die Maßen verzauberndes Geigenspiel! Es war, als würde es mich ganz und gar ausfüllen und in seinen Bann ziehen. Die Blätter der Bäume ringsum erzittern. Ein Ast knickte ab und aus dem Augenwinkel sah ich wie einem der Zuhörer ein Blutrinnsal aus dem Auge und das Gesicht hinunterlief … in einem Hochhaus weiter hinten bildete sich ein Riss, die ganze Erde bebte …. Ich wollte davonlaufen, konnte mich aber nicht lösen. Toni hob mich hoch, wollte uns beide wegbringen, hatte aber offensichtlich auch große Mühe sich zu bewegen … Bis plötzlich ein sehr vornehm gekleideter Schwarzer schnellen Schrittes auf den Alten zuging, ihm die Geige entriss und sie zerbrach. Der Musikant fiel zu Boden, der Schwarze verschwand. Der Bann schien gebrochen. Toni hechtete dem Schwarzen hinterher. Ich kniete mich zum Alten – er starb vor meinen Augen. Ich durchwühlte seinen Taschen solange mich noch keiner der anderen Umstehenden groß beachtete. Seine Schlüssel ließ ich in meiner Tasche verschwinden, merkte mir die Adresse von seinen Papieren – sein Name war Pavel Woyczek, ließ sie aber mitsamt einer ganzen Menge an Geld bei ihm liegen. Ich skizzierte die Szenerie. Auf der Rückseite der Geigenstücke fand ich ein paar außergewöhnliche Hieroglyphen und einen afrikanisch aussehenden Pharaoh-Kopf…
Toni hatte den Kerl nicht erwischt, der schien sich in Luft aufgelöst zu haben.
Ein paar schnelle Entscheidungen getroffen: natürlich die Redaktion benachrichtigt, sie sollten jemanden schicken, der Fotos machte etc. Dann machten wir uns auf den Weg zur Adresse des Geigers. Denn sowohl Toni als auch ich zweifelten fast am soeben Erlebte, aber gut wir waren zu zweit und wir mussten mehr darüber herausfinden.

In Pavels Wohnung in Hell’s Kitchen fanden wir:
Einen Zettel mit einer Telefonnummer (ohne Namen) in einer Manteltasche im Schrank.
In einer Kammer hinter der Küche waren sämtliche Wände mit Zeitungsartikeln übersät, die sich offenbar immer um dieselben Personen drehten. Haben sie eingepackt und ich habe sie zur Auswertung meinem Assistenten Steve Gohouri gegeben.
Ansonsten den Eindruck, dass er es sich wohl ausgesucht hatte hier, in einer der ärmsten Löcher zu wohnen, nötig hatte er es wohl nicht.
Die Befragung der Nachbarn ergab nicht viel: schien ein zurückhaltender, hilfsbereiter Zeitgenosse gewesen zu sein. Einzig für ein wenig Aufsehen gesorgt, hatte das gelegentliche Auftauchen eines Rolls Royce, der ihn abholte und der geheimnisvolle Schwarze war zumindest auch einmal hier gewesen.

3. April 1933
In den Zeitungen wird zwar in kleinen Meldungen über den Tod Pavels (Herzschlag) berichtet, aber über nichts außergewöhnliches in dem Zusammenhang, der Rest wird auf ein kleines Beben zurückgeführt, auch der Officer Jeremy McGuirre, mit dem ich telefoniere findet nichts besonderes an dem Fall.

4. April 1933
Heute Mittagessen mit Toni, haben uns die Recherchearbeiten aufgeteilt und dann über die Expedition und sein Interesse daran gesprochen. Stellt sich heraus, dass er damals einen Blick auf die Fundstücke der … Expedition werfen konnte – Ist wohl „irgendwas schief gelaufen mit der korrekten Zustellung im Hafen“ damals – da muss ich unbedingt noch mehr aus ihm rauskriegen, tut sich etwas schwer damit …
Verrückt, ist ja nur noch ein kleiner Teil der Ausstellung zu sehen, fast alles ist unter Verschluss …

Was wir danach herausgefunden haben:

1. Namen aus den Zeitungsschnipseln + von Toni und Ilse dazu Recherchiertes:

Porter (Coney Island): Toni recherchiert
Timothy Treherne †: gestorben am 03.01.1913 während einer Überfahrt der AMS Alberta von NY nach Southhampton; Earl of Fairbanks, aktiv im Essex Sportsman’s Club, Toni hat den Kapitän von damals ausfindig gemacht, einen gewissen Lars Jacobson. Besuch steht noch aus …
Sam Richester †: Börsenmakler (vermehrt Ausschnitte aus Handelsblättern), Tonis Gespräch mit dem Capo von Al Mineo (vorher D’Aquila – Familie) ergab: R. war Schuldner und wurde von Mineo umgebracht – lieh sich 1928 ne Menge Geld (als erfolgreicher Börsenmakler), dann kam der Crash von 1929…
Sylvia Atanascio: Berühmte Opernsängerin. Ilse hat einen Interviewtermin am 08.04., Toni will sie begleiten
Carlos Odinga (oder Santoz): Gründer des „Harlem Correctional Institute for Misguided Youth”, was gleichzeitig auch ein Hort der Bürgerbewegung ist. Ilse ist gerade bei einem Besuchstermin vor Ort, vielleicht kann man darüber nen Artikel schreiben… Odinga selbst scheint nicht anwesend zu sein, der verantwortliche Pater ist gesprächig, aber irgendwas scheint faul, über Odinga sagt er nicht viel, außer, dass er ihnen vor Ort freie Hand lässt und mehr als Schirmherr fungiert; ein Jugendlicher zeigt ihr das Gelände, ist schwer mit ihm ins Reden zu kommen, insgesamt wirken die Jugendlichen allesamt etwas eingeschüchtert, bestenfalls übervorsichtig. Toni hat herausgefunden das Odinga zu den Leuten von Dutch Schultz gehört.

2. Erdbeben in NY

Ilses Assistent beschafft ihr eine Übersicht über die Erdbeben der jüngeren Vergangenheit in NY, vielleicht gab es ja andere merkwürdige Begebenheiten wie diese…
stellt sich heraus dass Ilses Assistent seine Abschlussarbeit über Plattentektonik geschrieben hat.

3. die Telefonnummer

gehört einem Matschewscy, wiederum ein enger Freund Pavels, (eine Art Ziehsohn?), Toni hat ihn aufgesucht, er sehr redselig, hat ne Menge über Pavel Woyczek erzählt, ergänzt durch ein paar Infos die Ilse noch bei einem Essen mit Constantin O’Shears bekam:
Einreise Pavels ca. 1910/11
Hatte so ein paar alte Kontakte, mit denen er sich noch regelmäßig traf, darunter auch die Opernsängerin, ihr gehörte auch der von den Nachbarn gesehene Rolls Royce.
P. besaß mehrere eigene Theater in der Stadt, ergo hatte er keine Geldsorgen und sich seinen Lebensstil so wie er war ausgesucht.
War zwar ein begnadeter Geigenspieler und auch mal auf Tour, aber der Durchbruch kam nicht.
War in schlechter Verfassung in den letzten Wochen und Monaten und hatte seinen Tod angekündigt, kam ein paar Tage zuvor vorbei und hat sich quasi verabschiedet: „Wir sehen uns nicht wieder.“
„war auch mal im Museum“, hatte wohl auch Interesse an Hieroglyphen usw.
Toni ist zur Trauerfeier eingeladen.

Vermutung unsererseits: die „alte Clique“ hat sich vielleicht bei der Einreise auf dem Schiff kennengelernt?

4. Hieroglyphen + unzugänglicher Teil der Ausstellung

Ilse will mehr über die Hieroglyphen herausfinden, kontaktiert dazu einen alten Professor (Charles Dwayne Wilson), der die z.Z. gastierende Ausstellung betreut. Er wird für sie Kontakte zu Kollegen herstellen wg. Zugang zum verschlossenen Teil der Ausstellung in Arkham, sie lässt ihm Belegexemplare des NG zukommen.

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Aus dem Tagebuch von Toni "the Arab" Marcone
New York

5. April 1933
Der Name Porter kam mir zwar im Zusammenhang mit Coney Island bekannt vor, habe aber trotz meiner Kontakte dort nichts über ihn rausfinden können. Entweder verwischt der seine Spuren sehr gut, oder ich habe mich dumm angestellt.
Ilse war heute bei diesem Harlem Institute. Die Kids werden dort von Sozialamt, Polizei oder Staatsanwaltschaft abgeliefert; jeden Monat werden welche “zur Eisenbahn transferiert” [Anm.v. Mücke: Habe neulich gelesen, dass Schienenlegen ein Job war, den nur die dauernd besoffenen Iren gemacht haben, weil selbst die Sklavenbesitzer ihr Eigentum nicht so zu Grunde richten wollten!] oder entlassen. Anschließend hört keiner der “Insassen” mehr was von denen.
Abends beim Essen haben Ilse und ich uns zum Interview mit Jacobson am nächsten Tag verabredet. Mindy wird schon ganz eifersüchtig, weil ich so viel Zeit mit diesem “Blaustrumpf” verbringe. Mindy sollte sich besser auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren!

6. April 1933
Ilse bekam heute morgen die Doktorarbeit ihre Assistenten Steve bekommen. Darum geht es wohl um „Plattentektonik“ (was auch immer das sein soll…). Außerdem gab er ihr eine Liste mit Erdbeben in NY in den letzten Jahren: Nach Abgleich der Liste mit dem Zeitungsarchiv kam raus, dass zwei der Erbeben mit Tournee_Daten von Wojcek zusammenfallen. Danach hat er seine Tournee abgebrochen und nie wieder mehr als kurze Gastauftritte absolviert. Seltsam.
Außerdem telefonierte sie mit Starkweather wegen Interviews für einen „personal angle“ der Expedition. Er empfahl ihr zwei Teilnehmer: Eine Ms. Liechtenstein, die auch in der Jury für dieses langweilige Kunst-Dingens sitzt, und Martin Donaghy, einen reichen Playboy. Mit dem hat sich Ilse für den 10ten bei einer Party von J. Porter (!) verabredet.
Als ich Ilse im Büro abholen wollte, parkte ein verdächtig aussehender Schwarzer auf der anderen Straßenseite. Meinen Versuch ihn zu stellen musste ich allerdings abbrechen als er mir dezent seine abgesägte Schrotflinte zeigte. Sein Nummernschild ist aber auf jemanden zugelassen, der sich auf Autos für den Mob spezialisiert hat. Da werde ich mal nachhaken.
Abends trafen wir Capt. Jacobson im Seaman’s Church Institute nahe des Hafens. Der ist über 70 und trinkt ständig Grog. An Trehern und die Überfahrt auf der dieser starb/verschwand erinnert er sich gut: Bei sternenklarer Nacht lief sein Kreuzfahrtschiff mitten im tiefen Ozean plötzlich auf ein Hindernis auf, ohne dass die Besatzung einen Grund ausfindig machen konnte. Treherne tauchte abends dann nicht zum Captain’s Dinner auf. Als ein Stewart nachschauen ging, fand er das Zimmer von innen verschlossen vor. Treherne war aber nicht drin, sondern nur ein großer Klumpen oder Fleck einer teerartigen Masse, die die Besatzung noch am selben Abend ins Meer kippte. Treherne ist also nicht an einem Herzinfarkt gestorben, wie in der Zeitung stand, sondern verschwunden. Bemerkenswert waren noch zwei Dinge: In der Kabine fand sich eine ca. 20cm hohe Statue eines schwarzen (also tatsächlich afrikanisch aussehenden) Pharaoh und beim Verklappen der Teer-Masse half ein schwarzer Matrose. J. konnte sich damals nicht an ihn erinnern und schaute daher im Besatzungsverzeichnis nach, wo auch kein schwarzer Matrose verzeichnet war!

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Aus den Notizen der tapferen Expeditionsanwärter

07. April 1933

Ein Brief erreicht die Expeditionsanwärter.

In den Docks liegt das Expeditionsschiff vor Anker. Alle Teilnehmer der Expedition werden eingeladen am Abend dort vorstellig zu werden.

Ilse Shoeman trifft Professor Wilson

Ilse Shoeman ist mit Professor Wilson im Museum of Natural History zu einem Interview verabredet. Dort findet gerade eine Sonderausstellung zum Thema Ägypten statt. Wilson ist Fachmann auf diesem Gebiet. Ilse möchte von ihm etwas über die merkwürdigen Hieroglyphen und den schwarzen Pharao auf der Unterseite der Geige herausfinden.
In einem kleinen Büro findet das Interview statt. Ilse zeigt dem alten Professor ihre Abschriften der Hieroglyphen. Wilson übersetzt souverän die altägyptischen Schriftzeichen und sagt es handle sich um den Königsnamen des Nefren-Ka. Auf die Frage woher sie diese Zeichen habe, antwortet Ilse wahrheitsgemäß. Der Professor ist sichtlich überrascht als er von der Geige hört.
Nachdem sie ihn nach Einzelheiten gebeten hat, beginnt Wilson seine Erzählung. Er weist aber darauf hin, dass er keinesfalls zitiert werden möchte, da Nefren-Ka und die schwarzen Pharaonen bei Ägyptologen sehr umstrittene Themen seien und im Nu die Reputation eines seriösen Wissenschaftlers zerstören könnten. Die Erzählung mischt Geschichtliches mit Fantastischem:
Nefren-Ka soll ein Magier aus “Yrem”, der Stadt der Säulen, stammen und nach dem Tod des Pharao Djoser die Macht übernommen haben und eine Schreckensherrschaft betrieben haben. Angeblich habe er Hilfe von fremden Mächten erhalten. Nefren-Kas Wort soll als der “schwarze Wind er Wüste” bezeichnet worden sein. Der mächtige Sphinx bei Gizeh soll vor seinem jetzigen Gesicht angeblich nach dem Vorbild er Kraft erbaut worden sein, die Nefren-Ka unterstützte. Sein Anlitz soll gräßlich gewesen sein. Sneferu, der Sohn Djosers, besiegte später den schwarzen Pharao und band seine Seele in mehrere Pyramiden.
Über Nefren-Ka gibt es laut Wilson keine Publikationen. Er wisse nur von einem Professor Martens aus Berlin, der sich mit dem Thema beschäftige und von einem Franzosen dessen Namen er nicht nennen konnte.
Ilse und der Professor gehen daraufhin in die Sonderausstellung, die von einer Vielzahl Polizisten streng bewacht wird. Es fand ein Diebstahl statt. Ein Mumienband aus dem Alten Reich wurde gestohlen. Es handelte sich um das “Band des Seka” im besten Zustand mit machtvollen Schutzzaubern darauf.
Auf Nachfrage erhält Ilse aus der Bibliothek des Museums einige Bücher. Sie recherchiert das gestohlene Mumienband und erfährt aus einem Buch, das auf dem Band eine unbekannte Gottheit angerufen wird.

Tony Marcone trifft Jack Kawinsky

Tony möchte Informationen über den schwarzen Mafia-Angehörigen herausbekommen. Er veranlasst ein Treffen mit Jack “Blue Eyes” Kawinsky, der in der Familie von Dutch Schulz für Harlem zuständig ist. Kawinsky ist bekannt dafür in einem Park seinen Hund spazieren zu führen und dabei das ein oder andere Gespräch zu führen.
Von Times-lesenden Riesenaffen in Anzügen überwacht, spaziert Jack im Park. Tony bekommt eine Audienz bei ihm. Auf einer Bank unterhalten sie sich. Tony erhält nach einigem Hin und Her die Adresse einer Kneipe in Harlem, in der er nach Carlos Odinga Ausschau halten könne. Allerdings ist er dafür Jack Kawinsky einen Gefallen schuldig. Die Kneipe heißt “Black Pharao”.

Das Treffen auf dem Expeditionsschiff

Im New Yorker Hafen liegt die “SS Gabrielle”, das riesige, schwimmende Hauptquartier der Starkweather & Moore-Expedition. Nach und nach kommen alle Teilnehmer dort an. Vor der Rampe, die auf das Schiff führt, stehen mehrere Reporter und fotografieren die Ankommenden. Tony Marcone, der ungerne fotografiert wird, wenn er keine Erlaubnis gegeben hat, lässt seine Leibwächter einige der aufdringlichen Reporter beiseite “manövrieren”. Vielleicht hört jemand ein Platschen…
Starkweather begrüßt die Ankommenden einzeln mit Handschlag und stellt den Quartiermeister des Schiffes vor, einen Mr. Sykes.
Tony Marcone, Ilse Shoeman, Emma Straßenberg und Reginal William Bedford betreten das Schiff.
Nach einer kurzen Einführung werden sie gebeten ihre Maße nehmen zu lassen um eine passende Antarktisausrüstung zu schneidern. Die Damen sind überrascht, dass sie die einzigen weiblichen Teilnehmer sind und sträuben sich ein wenig. Im Anschluss werden noch einige heroische Fotos vor Kulissen geschossen. Dann gibt es eine ärztliche Begutachtung der Teilnehmer. Starkweather bedankt sich und schickt die Teilnehmer in einen Bus, der sie zu einer zahnärztlichen Untersuchung befördern soll.

Die Busfahrt

Die Insassen des Busses sitzen etwas verteilt, die Damen aber auf zwei Plätzen nebeneinander und schnacken. Außer den Vieren sind noch zwei andere Passagiere im Bus, sowie der Fahrer.
Der Bus fährt am Wasser entlang zu seinem Bestimmungsort, dem Zahnarzt. An einer Ampel fängt der Bus an zu schleudern und hält dann schlitternd an, als wäre ein Vorderreifen zerstört. Kurz darauf hören die Insassen, dass etwas auf dem Dach rumpelt, das Dach sogar einbeult. Es gibt eine kurze, schemenhafte Bewegung an einem Fenster. Es zerbirst und einer der Insassen wird getötet. Tony wirft sich zur Seite und schießt aus dem zerstörten Fenster.
Plötzlich fängt der ganze Bus an zu wackeln und wird auf die Seite geworfen. Kurz darauf fällt er ins dunkle Wasser. Alle Scheiben zerbersten nun und der Bus läuft voll Wasser. Die zwei Damen retten sich aus einem der Fenster und schwimmen an die Oberfläche. Bill versucht einen bewusstlosen Mann aus dem Fenster zu schaffen und nach oben zu bringen. Währenddessen schlängelt sich etwas tentakelartiges auf Tony zu und versucht ihn unterzutauchen. Seine Versuche dieses “Wesen” mit seiner Pistole oder seinem Wasser zu bekämpfen gelingen nicht. Bill schafft es nicht den Mann zu retten. Er schwimmt nach oben um wieder Luft zu bekommen. Das Wesen und Tony liefern sich einen Kampf und ein Wettrennen zugleich: Wer ist als Erster an der Wasseroberfläche und dazu noch am Leben? Mit ein wenig Glück schafft Tony es an Land zu klettern. Doch das Tentakel schießt aus dem Wasser und will ihn zurück reißen. Mit Hilfe der anderen kann er sich befreien und sie fliehen vom Kai. Ilse sieht aus dem Augenwinkel eine cremefarbene Limousine.
Tony organisiert ihnen einen Wagen. Sie fahren schlammverschmiert davon und bringen Tony zu einem bekannten Arzt der Mafia. Die anderen ziehen sich bei Ilse um und kontaktieren Starkweather. Sykes holt sie ab und bringt sie ihn ein Diner. Dort treffen sie einen aufgeregten Starkweather. Sie berichten ihm von dem Unfall und dem Wesen. Er nennt es einen Tintenfisch im Hafen.

08. April 1933

Emma schreibt einen Brief

Sie schreibt an Professor Martens in Berlin wegen Nefren-Ka.

Bill sucht den Essex Club

Bill versucht etwas über den Essex Club und Mr. Treehurn herauszufinden. Er fragt seinen Boxtrainer, der ihm einen Sir Whisterfield empfiehlt. Der Club sei eine Vereinigung von Golfspielern und Schützen. Einen Treehurn kenne er nicht. Der Trainer organisiert ein Treffen mit Sir Whisterfield für den nächsten Tag im Club 24.

Die Diva

Ilse besucht die Diva für das Interview. Tony begleitet sie wegen des Autogramms und ist sehr aufgeregt.

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Log 10.11.12

Infos von Prof Martens:
Nephren-Ka intrigiert gegen Pharao und folgt nach; errichtet Schreckensherrschaft mit Hilfe dunkler Mächte → Held Sneferu bezwingt Nephren-Ka und bannt Seele, Nachfolger tilgen Spuren.
Nachfahrin setzt Geister wieder frei, benennt Sohn Nephren-Ka.

→ gestohlenes Mumienband aus Museum von Nephren-Ka

Abmarsch von der Loftparty

Tony marschiert zu Fuss von der Party, Scheinwerfer leuchten auf, Schüsse fallen, Ilse und Emma rasen im Auto heran. Crash, Schiesserei, die Gangster sind tot. Tony flüchtet mit den bewusstlosen Damen zum “szenekundigen” Arzt Maurice um beide versorgen zu lassen.

Prof. Martens hat einen US-Ansprechpartner zum Mumienband, aber liefert Infos zu Seker: http://en.wikipedia.org/wiki/Seker

Einreise aller “Verdächtiger” am 14./15. April 1912 auf der Carpathia, die die Überlebenden der Titanic eingesammelt hatte

Timothy Treehern war auf dem Atlantik verschwunden, nachdem das Schiff scheinbar aufgelaufen, in der Nähe des späteren Titanic-Unglücks.

Im Black Pharao

Irritierte Blicke, als die Palefaces Maurice und Emma den Club betreten. Nach förmlicher Einführung legt sich die Spannung. Odinga nicht zu sehen, aber der groe Dunkle mit den Ritualnarben ist da. Tony fällt vor dem Club eine Frau in Hausfrauenkluft auf, die zielstrebig auf den Club zugeht.

Maurice und Emma

Unterlagen zu Club, Youth Correction, Interburroughs Rapid Transportation, Schreibtisch mit Ornamenten eines Schwarzen Pharaos und umgedrehten Ankhs.

Vor dem Club streiten die Türsteher mit der Hausfrau Wilks, die ihren Ehemann Trevor sucht und Carlos beschuldigt. Trevor hatte vermissten 40 Leuten der Railway Co. nachrecherchiert und Beschuldigungen erhoben.

Bei der Hausfrau zuhause finden Tony und Emma ein Bild von Odinga und Hinweise auf einen hellen Waggon mit Ankh-Symbole.

Tony, Maurice und Emma fahren im Auto an der Railway Co. vorbei, von aussen keine Auffälligkeiten zu sehen.

Tony und Emma gehen in die Fabrik, Skepsis beim Vorarbeiter, T&E entdecken hellen Waggon, bewacht von unheimlichen Charakteren. Ein Kampf beginnt. Emma tötet Begleiter, Tony schiesst auf ersten Charakter. Ein wilder Kampf bricht aus, Tony und Emma töten alle Wachen, die sich in schlechtem körperlichen Zustand befinden. Der Waggon ist leer, aber dahinter verbirgt sich ein dunkler Gang, der in eine grosse Halle mündet. Spuren auf dem Boden… die an den Wänden weitergehen. Aus dem hinteren Ende der Halle hört man Wehklagen und Stöhnen.

In einer Ecke der Halle hängen stoische Menschen von der Decke, Tony findert Trevor, befreit und schultert ihn. Einer der eben getöteten Charaktere schlurft durch die Halle. Emma erstarrt. Der Charakter nimmt Witterung auf und schiesst den Sandstrahler ab. Tony und Emma rennen davon die Treppe hoch Richtung Deckenlichter. Tony schiesst Deckenlichter kaputt, Trippelschritte an der Wand. Tony schmeisst Emma und Trevor durch Deckenlichter und klettert hnterher. Maurice sieht T,E&W über das Gelände rennen und reisst mit dem Auto den Zaun ein. T,E&W flüchten im Auto. Trevor unter Schock und Drogen. Auf dem Weg zu Maurice’ Praxis wird Trevors Frau eingesammelt.

Ilse hat News: Treehern hatte nach Titanic-Rettung Eisschicht drauf, ebenso wie fünf weitere Passagiere. Sie wurden versorgt von einem schwarzen Matrosen, der am Schluss in NY im Nadelstreifenanzug mit den Passagieren ein Auto besteigt.

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Gedächtnisstütze Maurice, die Erste

11.4.1933, nachts

So langsam wird das hier ganz schön verworren. Sollte es wohl besser mal aufschreiben, sonst komme ich selbst noch durcheinander. Es fing alles damit an, dass Toni mir jemand zum verarzten brachte und fragte, ob ich nicht Lust auf eine kleine Schiffsreise hätte. Habe ja sonst nichts zu tun, also habe ich zugesagt und seitdem einige Zeit mit den Leuten verbracht. Was in den letzten Tagen passiert ist, muss ich wohl mal gesondert aufschreiben. Gerade berichtete Ilse, dass der schwarze Matrose mit den Narben im feinen Nadelstreifenanzug von Bord ging, zusammen mit den anderen Titanic-Überlebenden.

Ilse und Emma bleiben heute Nacht wohl hier und wir werden Wachen einteilen. Nur Toni wagt sich hinaus in die Nacht, will zu einer Tänzerin.

12.4.1933

Trevor Wilkes ist wieder ansprechbar. Wilkes war Mitglied in der Gemeinde, wo das Correctional Center ist. Der Pastor war dessen Vorstand. Im fiel auf, dass Leute verschwanden. Er recherchierte und fand heraus, dass das Correctional Center der Mafia bzw. Carlos Santos Odinga gehört. Außerdem konnte er in Erfahrung bringen, dass Odinga einem Geheimbund namens „Die Titanen“ angehört. Der Geheimbund ist offenbar satanistisch und dient einem Dämon namens „gnarling Thotep“. Die jungen Männer verschwinden immer jedes Jahr im April. Das Ganze hat offenbar irgendetwas mit dem gelben Bahnwaggon zu tun, der immer am 14. April bewegt wird, und zwar irgendwohin nach Süd-Manhattan durch die Bahntunnel. Der Geheimbund trifft sich gerne im Black Pharao. Wilkes kann sich nicht erinnern, wie er gefangen genommen wurde. Wüsste gerne, was der genau intus hatte, klingt interessant.

Emma und Toni berichteten, dass in der Halle noch etwa 15-20 junge Männer waren. Wir überlegten, den Wagen zu verfolgen, und versuchten dazu, an Pläne der U-Bahn-Tunnel zu kommen und Einstiege zu finden. Toni kontaktierte das Schmuggler-Netzwerk und bekam ein handgezeichnetes Liniennetz mit Zugängen.

An der Fabrik sind wir nochmal vorbei, aber da war nichts auffälliges zu sehen. Der umgefahrene Zaun wurde gerade repariert.

Abends trafen wir uns für das Abschiedskonzert der Diva Silvia Atanasio in der NY Met (Metropolitan), einer riesigen Konzerthalle. Es waren viele aufgeregte andere Leute da, allerdings war das Konzert bei weitem nicht ausverkauft. Die Diva verkündete jedoch, dass das Konzert nur für geladene Gäste (ihre besten Freunde) sei. Das Konzert war sehr schön und verlief ansonsten ereignislos. Schließlich gab sie jedoch eine Zugabe. Dann wurde es sehr, sehr seltsam. Wir konnten uns kaum bewegen – offenbar ein Effekt, den Toni und Ilse schon mit Woyczek beim Geigenspiel im Park erlebt haben. Ilse und Toni schafften es, sich Watte (die sie sogar dabei hatten, nur nicht verwendet) in die Ohren zu stecken und halfen auch Emma und mir. Von dem seltsamen Lärm zersprang das Glas der Lampen und es bildeten sich Risse im Porzellan, die Musik machte mir unglaubliche Kopfschmerzen. Unter großen Anstrengungen versuchten wir, aus dem Konzertsaal zu kommen und schafften es schließlich, teils unter blutenden Ohren, während sich Risse in der Decke bildeten, der Kronleuchter und Teile der Decke ins Publikum stürzten, ein Teil des zweiten Rangs einsackte. Toni versuchte, die Diva zu erschießen, schaffte es aber nicht. Irgendwie schafften wir es nach draußen, wo man nichts mehr von der Musik hörte.

Zeit, über das soeben erlebte nachzudenken, hatten wir allerdings nicht. Auf der Straße erspähte der aufmerksame Toni ein Auto, dass anscheinend “extrem unauffällig” vorbeifuhr. Wir verfolgten es um die Ecke mit einem Taxi. Zwei Männer stiegen aus (einer war den anderen schon bekannt, sie nannten ihn die „Chimäre“, aufgrund seiner blau/schwarzen Augen) und gingen durch den Hintereingang in die Met. Toni und ich schlichen hinterher. Von den Männern fehlte drinnen jede Spur. Ich machte einen kurzen Umweg über die Garderobe und nahm Atanasias Köfferchen mit. Im Saal herrschte Chaos, Tote und Verwundete und Zerstörung. Die Diva, äußerlich unverletzt, lag auf der Bühne und sprach ein paar letzte Worte, bevor sie starb (mein Mitleid hielt sich in Grenzen), etwa: “Sie jubelten uns zu, Triumph auf dem Meer, als wir das Schicksal besiegten damals im Wasser, sie jubelten bei der Ankunft in New York, sie bauten ein Licht, dessen Schein auf unser Heiligtum im Park scheint. Denkt daran.”

Wir gaben die Suche nach den Männern auf (Emma und Ilse sahen sie noch aus einem anderen Eingang kommen) und fuhren zu mir. Im Köfferchen der Diva befanden sich Noten, auch die des letzten Stückes „From destiny to eternity“, im Text ist „Thotep“ erwähnt, aber sonst nichts besonderes; der Komponist ist Pavel Woyczek, der Geiger. Außerdem ein Adressbuch und ein Tagebuch. Der letzte Eintrag des Tagebuchs ist vom 11.4. und lautet in etwa: „Pavel ist tot, seine Seele ist mit Sicherheit verloren, jetzt bleiben nur noch wir beide. Aber ich kenne seinen Plan.“ Wir vermuten, dass sie von Odinga spricht, und dass Pavels Seele vielleicht verloren ist, weil der Schwarze ihn gestoppt hatte.

13.4.1933

Der Plan war, dass Ilse und Emma den Park an der Südspitze Manhattens untersuchen – erstens weil der gelbe Waggon offenbar in diese Richtung fährt und zweitens wegen des Heiligtums, dass die Diva erwähnt hatte. Den beiden fiel beim Besuch desselbigen das Seamen‘s Church Institute auf, wo sie den Kapitän des Schiffes getroffen hatten, auf dem Timothy Treehurn starb. Auf dem Institut befindet sich ein Leuchturm mit einem grünen Licht. Ein Schild bezeichnet den Leuchtturm als „Titanic Memorial Lighthouse“. Im Park fanden sie einen Snack-Pavillon, dessen Inneres mit ägyptischen Motiven geschmückt ist. Das Deckengemälde zeigt eine frühägyptische Pyramide und einige nubische Aspekte. Auf dem Dach des Pavillons ist eine pyramidenförmige Dachkonstruktion aufgesetzt. In Sichtweite befindet sich der Leuchtturm. Die nächste U-Bahnstation ist „Battery Park“.

Toni und ich suchten derweil einen Eingang zum U-Bahnnetz, um den gelben Waggon abfangen zu können. Wir tendieren aber eher dazu, einen Zugang im Park zu suchen, da wir nun recht sicher sind, dass der Pavillon das „Heiligtum“ ist. Morgen ist es soweit.

14.4.1933

Hätten wir lieber nicht hingehen sollen? Hätte es irgendwas geändert? Ich weiß es nicht. Zu spät. Ich bin todmüde und werde gleich schlafen, aber vorher notiere ich die Ereignisse des Tages besser noch. Sonst glaube ich morgen, ich hätte mal wieder zuviel Morphium intus gehabt und wirres Zeug geträumt… (Eva: Das macht keinen Sinn – wir hatten mit der Flucht durch die Tunnel aufgehört, aber beim nächsten Spielen erst gemerkt, dass das so nicht geklappt hat.)

Zunächst sprach Ilse nochmal mit dem Kapitän im Seamen‘s Church Institute. Sie besichtigten den Leuchtturm, sie fand jedoch nichts ungewöhnliches. Der Grundstein des Gebäudes wurde allerdings an dem Tag gelegt, als die Titanic unterging. Im Pavillon war für abends geschlossene Gesellschaft angekündigt, weil eine Hochzeit gefeiert werden sollte. Trevor Wilkes verschwunden, seine Frau verzweifelt.

Abends zum Pavillon. Dort tatsächlich Hochzeitsgäste. So versuchten wir, über die U-Bahnstation Battery Park unterirdisch zum Pavillon zu gelangen und den Waggon zu finden. Wir schlichen uns mit leichten Mühen in den Tunnel und arbeiteten uns unterirdisch in Richtung des Pavillons vor. Irgendwann hörten wir leise Stimmen und fanden eine Tür. Da Toni klugerweise die Scharniere ölte, bevor wir sie öffneten (der muss wohl Erfahrung mit sowas haben), überraschten wir den Kerl, der dahinter Wache hielt. Emma, für so ein Persönchen erstaunlich effektiv, tötete ihn mit ihrem Schwert, nachdem er auf uns geschossen hatte.

Hinter der Tür befand sich ein Gang, an dessen Ende eine Treppe nach oben führte. Zwei weitere Wachen verfolgten uns und ein weiterer Mann kam aus der anderen Richtung; wir schafften es nach kurzem Kampf, sie zu überwältigen. Oben an der Treppe war ein Vorratsraum. Dahinter befand sich ein Raum, aus dem monotoner Sprechgesang und rotes Licht hervordrangen. Wir gingen weiter, bis sich uns das erschütternde Bild in voller Schrecklichkeit bot: Das rote Leuchten stammte von einem quaderförmigen Stein in Raumesmitte. Darum lagen die entführten jungen Männer, mit eingeschlagenen Schädeln. Ihr Blut, floss, strömte zum Stein und schien das rote Licht, das zur Decke strahlte, geradezu zu speisen. Odinga saß dort mit freiem Oberkörper und schien irgendein Ritual durchzuführen. Um ihn gewickelt das gestohlene Mumienband. Er ließ sich durch uns nicht stören, und wir konnten ihm nichts tun. Auch Versuche, ihm das Mumienband wegzunehmen, völlig erfolglos. Muss sagen, dass ich sowieso nicht viel beitragen konnte, der Anblick war einfach zuviel für mich, und auch jetzt sehe ich es noch vor mir, sobald ich mich nicht darauf konzentriere, es nicht sehen zu wollen. Nach einigen Minuten spürten wir zudem eine eigenartige Präsenz im Raum, es fühlte sich etwas wie Hitze an.

Eine Treppe führte nach oben, mit einer Falltür am Ende. Durch diese kam die “Chimäre” und schoss auf uns. Toni zurück und tötet ihn. Odinga ging, recht unbeeindruckt, die Treppe nach oben. Wir folgten. Oben die Hochzeitsgäste im Pavillon, alle wie in Trance. Von Odinga nichts zu sehen, aber es führte eine Treppe hoch in die Pyramide auf dem Dach, die wir hochstiegen.

Oben waren wir im Innern der Pyramide. Sie war zwar aus normalen Brettern, aber einfach völlig falsch, unmöglich zusammengebaut. In der Mitte befand sich eine schwarze katzenartige Gestalt, die offenbar noch nicht ganz da war, aber sich gerade materialisierte. Sie hatte ein furchtbares Gesicht, das irgendwie sphinxartig aussah. Odinga stand in der Mitte der Sphinx und redete irgenwdie in der Hoffnung, dass die Sphinx bald richtig „da“ sei. Toni schaffte es endlich, ein Stück des Mumienbandes abzureißen, aber davon ab waren wir wieder äußerst uneffektiv. Der Schwarze mit den Narben, den die anderen offenbar auch schon gesehen hatten, kam die Treppe herauf. Er ging zu Odinga und drückte seine Hand zu, und Odinga fiel einfach um. Die Sphinx reagierte zornig und erstaunt, fing aber an, zu verblassen. Toni meinte, er fühlte sich mit seinem Stück Band, als hätte er Odingas Tod besiegelt. Der Mann, der seltsam lange Arme hatte, nickte uns kurz zu und ging einfach wieder. Odinga sprach „Wir hatten die Welt, und dann war es vorbei“, und starb. Als wir wieder herunter kamen, waren die Leute der Hochzeitsgesellschaft aus ihrer Trance erwacht und verhielten sich normal. Auch im Keller alles wieder normal, der Stein nicht außergewöhnlich. Toni verjagte die Leute, wir zündeten den Pavillon an (insbesondere die Pyramide und das Mumienband) und versuchten zunächst, durch die U-Bahntunnel zu flüchten.

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Log 2013.01.18

ACHTUNG! IST NE VORLAEUFIGE VERSION! BESSERE SPAETER NACH! (M) -

14.4.1933
Auf dem Rueckweg von unseren Abenteuern im Pzramiden-Pavillon
wir versuchen uns alle unauff’llig aus der Umgebung des brennenenden Pavillons yu schleichen.. Leider verkacken das alle, Emma und Maurice stolpern auch noch ueber nen Bullen, der Emma und Maurice ins Kranknhaus einliefern laesst. Ilse und ich stolpern mitten in eine Gruppe Poliyisten und Hochyeitsg’ste, werden identifiyiert und erstmal mitgenommen. Ilse lassen sie gehen, ich werde weggesperrt. Maurice wird im Krankenhaus als verr[ckt diagnostiyiert und in die Klapse in Upstate New York geschickt. Im Krankenhaus treffen sich Emma und Ilse wieder.

15.4.1933
Emma und Ilse fahren yur Klapse und besuchen Maurice. Emma ueberredet den dortigen Aryt O\Sullivan, dass Emma Maurice mitnehmen darf, aber erst nachdem Maurice eine Runde Elektroschocktherapie mitgenommen hat und Emma 10 Dollar Bestechung pro Woche verspricht.
Ilse wird von der Poliyei verh;rt von Officer Hansen, von der OK-Abteilung, der ihr ggue. Verdacht geschoepft yu haben scheint und mir auf den Fersen scheint.
Gruppe beschliesst, sich bis yur Abreise des Schiffes am 1. September erstmal yu trennen und eigenen Interessen nachyugehen. N’chstes Treffen soll am 15.8. sein.

15.8.1933
Treffen in Bar in New Zorker Innenstadt. Alle eryaehlen davon, was sie in den letyten Monaten erlebt haben. Ywischenyeitlich viele Bericte uerb Brand der Met, Brand des Pavillons, gelegentlich Berichte ueber Expeditionsvorbereitungen.
Maurice. Viel gelesen ueber Antarktis und Pinguine.
Ilse. Viel Ueberlebenstraining und viel gelesen ueber Antarktis.
Emma. Viel ueber aaegzptische Geschichte gelesen, insbes Schwarye Pharaonen, hat raetselhaftes und apokryphes ueber das Sphinx erfahren – war wohl im alten Aegzpten schon bekannt und verfemt.
Ich. Geschaeftlich in Chicago, nachdem ich in New York noch meine Angelegenheiten in Ordnung gebracht habe (Zeugen yum Schweigen gebracht, etc.)

Einige Info ueber Wetter und Ausruestung
Es ist SCHEISSKALT! Zig Lagen Kleidung tragen, bei Wind u Sturm am besten gar nicht rausgehen. Futtern, Futtern, Futtern! Vorsicht vor Killerwalen!
Dementsprechend habe ich einen Saty professionelle, sprich einheimische, Schneekleidung fuer die Gruppe springen lassen, aus Karibou/Rentier-Fell.
Yusaetylich schmiert Toni einen der verstauenden Dockarbeiter, um einen Kiste (ca 1 kubikmeter) an Bord yu schmuggeln in der die ganyen Waffen (ausser einer 45er) und ooordentlich guter Schnaps sowie reichlich Yigarren drin sind. Auch will ich erfahren, wenn jemand anderes Dinge/Kisten an den offiyiellen Kanaelen vorbei an Bord bringen laesst.

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Notizen von Maurice

2.9.1933

Noch zwölf Tage bis zur Abreise. Wir sind inzwischen als Expeditionsteilnehmer alle im Hotel Amherst untergebracht. Es ist etwas anstrengend, weil alles voller neugieriger Presseleute ist. Wir haben inzwischen auch viel mehr über die erste Expedition von vor drei Jahren erfahren – Entgegen ihres ursprünglichen Planes haben sie damals wohl Erkundungen in eine andere Richtung unternommen, eine extrem hohe Bergkette mit offenbar seltsamen Felsformationen gefunden (was zur Hölle sind “Spirakel”?), dahinter ein Hochplateau. Dort fanden sie auch ungewöhnliche Fossilien, und sogar, in einer unterirdischen Höhle, einige extrem gut erhaltene Exemplare irgendeiner seltsamen Art, zwei Meter lang, mit Schwingen oder Flossen, die sie versucht haben zu sezieren, was aber wohl nicht so gut funktioniert hat. Dann kam einer dieser fiesen Orkane, vor denen wir schon gewarnt wurden, und die gesamte Gruppe starb. Der Suchtrupp fand nur noch ihre übel zugerichteten Überreste. Ich hoffe, unsere Expedition bleibt von derartigen Verlusten verschont.

Für morgen hat Starkweather Toni und mir irgendwelche Listen in die Hand gedrückt. Wir sollen auf dem Schiff kontrollieren, ob die Ausrüstung vollständig ist.

4.9.1933

Mir kommen langsam Zweifel an der Organisation dieser Unternehmung. Während die Damen sich fein heraushielten – Ilse ist krank (angeblich, zumindest hat sie nicht nach mir gefragt) und Emma lässt sich massieren oder flirtet mit irgendwelchen Piloten – haben Toni und ich die letzten Tage von früh bis spät in den Laderäumen des Schiffes und in den Lagerhallen verbracht und Listen abgearbeitet. Zig Dinge wurden nicht geliefert, falsch geliefert, nicht bezahlt oder es fehlen die Genehmigungen. Die eine Hand weiß nicht, was die andere tut, und es gibt niemanden, der für die gesamte Organisation verantwortlich zu sein scheint. Außer unsere beiden Expeditionsleiter, und die haben offenbar besseres zu tun (herumschreien beispielsweise). Wie überaus sinnvoll es ist, gerade uns mit diesen Aufgaben zu betreuen, zeigte sich am Beispiel der Funkgeräte. Nachdem ich sie längst auf der Liste abgehakt hatte, stellte einer der Funker (Karl Schmidt) fest, dass sie nicht funktionieren, weil ein Teil fehlt. Ich muss dringend feststellen, wer für das Verstauen der medizinischen Vorräte zuständig ist und sie überprüfen! Es wird jedoch nicht ausbleiben, dass wir mitten in der Antarktis feststellen, dass irgendwelche wichtigen Teile entweder fehlerhaft oder gar nicht vorhanden sind. Ich hoffe, es werden keine überlebenswichtigen Dinge sein.

Emma hat immerhin herausgefunden, dass es einen Teilnehmer gibt, der bei der ersten Expedition schon dabei war. Ein Funktechniker namens McDurnell. Er scheint aber die ganze Zeit auf dem Schiff geblieben zu sein und von den unglücklichen Vorgängen im Eis nicht viel mitbekommen zu haben. Außerdem hat sich herausgestellt, dass wir einen weiteren (oder neuen? Wie gesagt, die Organisation hier ist sehr unklar) Kapitän bekommen, der ebenfalls an der letzten Expedition teilnahm. Douglas ist eigentlich schon in Rente, aber immerhin offenbar sehr erfahren in polaren Regionen.

5.9.1933

Ein unangenehmer Tag. Laut Emma ist Starkweather gestern ausgerastet, als er erfahren hat, dass Acacia Lexington auch in Richtung Antarktis aufbrechen will. Sie möchte als erste Frau am Südpol sein, bzw. ihn überfliegen. Er glaubt, dass sie unsere Expedition sabotiert und hat die Abreise auf den 9.9. vorverlegt. So kam es, dass Moore Emma dazu brachte, als Vorzeigefrau der Presse Interviews zu geben. Es wird sich zeigen, was die Reporter daraus machen, aber es scheint nicht allzu gut gelaufen zu sein.

Dazu kamen andere Presseberichte (das mit der Sabotage durch Lexington könnte durchaus stimmen!): Zusammenhänge der Expedition mit der organisierten Kriminalität vermutet (weil Toni irgendwo halb legal fehlende Ausrüstungsgegenstände besorgt hat), und Zusammenhänge zum Brand in der Met – als ob wir was dafür konnten! Natürlich immer schön mit Fotos. Offenbar schnüffeln selbst im Hotel versteckt ständig Presseleute herum.

Als krönenden Abschluss bekam ich von Tim Myers, dem nur manchmal hilfreichen Kerl an der Rezeption, einen Brief überreicht, der mir beim ersten Lesen ziemliches Unbehagen bereitet hat. Eine Art Warnung, im Eis schlafende Dinge nicht zu wecken. Ist aber wohl Unsinn, rein rational ist das wohl das Werk eines Verwirrten (lauter Widersprüche im Text wie “Gehen Sie nicht dorthin” und “ER wird Sie aufhalten” – na, dann kann ja nichts passieren?) oder wieder irgendein Trick der Presse. Meint Emma auch. Falls der Kerl, der den Brief überbracht hat, nochmal auftaucht, wird Myers ihn (hoffentlich) bitten, sich mal mit mir zu treffen. Dann werden wir ja sehen, was dahintersteckt.

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Tagebuchnotizen von Ilse 6. bis 8.09.1933

06.09. 1933

Henri (Anm.: Ilse’s Chefredakteur) hat mich heute Morgen zu sich ins Büro ‚eingeladen‘ – wie sich rausstellt, wollen sie jetzt im Atlantic auch ein Interview mit Emma, „dieser patenten Persönlichkeit“, natürlich über die Expedition aus Sicht einer der wenigen Frauen an Bord bringen. Kevin soll das übernehmen und ich den Kontakt dafür herstellen. Emma ist nach ihren letzten Erlebnissen mit der Presse natürlich hellauf begeistert und hat um vorherige Zusendung der Fragen gebeten – tja, ich hab es so an Henri telegrafiert. Mal schauen was da zurückkommt.

Auf dem Weg zurück ins Amherst habe ich endlich Zeit, die Zeitung aufzuschlagen, und das ist vielleicht ein Ding, Kapitän Douglas wurde ermordet aufgefunden! – aus dem Hafen gezogen, mit Würgemalen am Hals.
Im Hotel treffe ich direkt auf Emma. Die hat bereits davon erfahren – Kommissar Hanson schnüffelt hier rum und hat ihr dabei die Neuigkeit überbracht. Kann das noch Zufall sein … soweit ich weiß, ist es bisher zu keinem Treffen zwischen unserer Expedition und Douglas gekommen. Starkweather‘s Sabotage-Tiraden scheinen immer weniger weit hergeholt zu sein …
Na, wir konferieren direkt mir den anderen um zu überlegen, was nun zu tun ist. Toni ist zu sehr eingebunden in der Frachtkontrolle. Aber Emma sieht sich mal im Hotel von Douglas um, derweil Maurice und ich uns im Leichenschauhaus umtun.
Ich muss schon sagen, solche Orte sind doch immer wieder etwas gewöhnungsbedürftig. Maurice meint, Douglas war schon tot, bevor er in den Hafen ‚gefallen‘ ist. Mehr haben wir nicht herausgefunden. Wollen uns auch nicht zu lange da aufhalten, wir geraten ja so leicht in unangenehme Situationen zurzeit und ich glaube el Fatzke würde ausflippen, wenn noch mehr unpassende Fotos auftauchen. Und tatsächlich, als wir glücklicherweise schon draußen und fast um die Ecke sind, fährt doch das Auto von … (Journalistin vom Atlantic) vor.

Toni und Maurice sind weiter mit der Inventur der Fracht/Vorräte beschäftigt. Nachdem ich wieder gesund bin, helfe ich jetzt natürlich. Dabei finde ich doch noch ein paar wichtige Listen. Es ist unfassbar, was alles nicht dabei ist, falsch etikettiert, nicht an richtiger Stelle gelagert etc. Wir versuchen so gut wie möglich die Fehler zu beheben – Unnötiges zu entsorgen und Fehlendes zu besorgen. Was noch fehlt, bzw. nicht vollständig ersetzt wurde (Anm.: Mücke bitte gegenchecken): Marmelade, Würfelzucker, Worcestersauße.
Auf Tonis Vorschlag hin, gibt es jetzt ein allabendliches Koordinations-Treffen all derer, die mit der Inventur beschäftigt sind. Zum Dank brummt ihm Starkweather immer mehr auf, weil er so ein „guter Mann“ ist.

Emma taucht bis zum Abendessen von ihrem Abstecher in Douglas Hotel nicht wieder auf. Ich mache mir Sorgen und bitte Myers mir Nachricht zu geben, sobald sie eintrifft.
Irgendwann nachts taucht sie auf und ich kann doch noch beruhigt schlafen.

07.09. 1933

Beim Frühstück bringen wir uns gegenseitig auf den Stand der Dinge.
Emma hat gestern noch mit den Piloten, die von ihrer Beschaffungstour für Ersatzteile zurück sind, gesprochen. Sie sind sich uneinig, ob es denn auch alles die passenden Teile sind. Na Halleluja, wenn wir das erst vor Ort herausfinden …
Und dann ist sie Kommissar Hanson in die Arme gelaufen, während sie Douglas Zimmer inspiziert hat …

Das Zimmer war total verwüstet.
Von seinen Tagebüchern fehlen exakt die Jahre 1930/31 – ergo die mit den Aufzeichnungen zur Dyer Expedition.
Emma hat einige Notizen mit Tel.nr. Uhrzeiten und Namen zu Gesicht bekommen, darunter: Starkweather, Jared Brackman, A. Lexington
eine Notiz mit dem Namen Philipp + verschdn. Uhrzeiten + an einer der Vermerk Nachtzug, aus einem Brief wurde ersichtlich das Philipp sein Bruder ist
noch eine Notiz mit den Worten: Wykes, Grimes, Brewer, Purple Loop (Schreibweise ?)

Wir teilen uns auf: Toni muss Unmengen an Ölsardinen auftreiben und noch so allerhand anderes, beschäftigt sich also weiter mit der Beschaffung von Vorräten.
Maurice findet heraus, dass das Purple Loop eine Kneipe ist und schaut sich dort um, findet aber nichts Interessantes heraus.
Emma hängt den ganzen Tag vergeblich am Hauptbhf. rum – die Zeiten waren Ankunftszeiten, aber offensichtlich ist Philipp an einem anderen Tag angereist.
Ich vereinbare einen Termin bei Brackman – der ist Rechtsanwalt. Und war eben auch der von Douglas. Aber ansonsten kann ich ihn zu keiner brauchbaren Auskunft bewegen. Das Gebäude indem sich seine Kanzlei befindet, schließt oben pyramidenartig ab, das fällt mir nach den Erlebnissen der letzten Monate etwas unangenehm auf.

Im Laufe des Tages erreicht uns die Neuigkeit, dass drei weitere Matrosen die Expedition verlassen haben: Wykes, Grimes, Brewer. Bis auf den Funker, waren das die einzigen Matrosen, die auch bei der Dyer Expedition dabei waren. Was hatten die wohl auf der Notiz von Kpt. Douglas zu suchen, wollte er mit ihnen über alte Zeiten plaudern?
Vielleicht haben sie sich von den immer mal wieder eintrudelnden Drohbriefen dieses Verrückten einschüchtern lassen. Und dann noch der Mord an Douglas, wer weiß. Das wird alles immer merkwürdiger.
Wir versuchen noch irgendwie herauszufinden, wo sie stecken, da wir zu gern mit ihnen sprechen würden, machen sie aber nicht ausfindig.

Am Abend findet ein Treffen mit Starkweather und Toni statt, sie passen die Sicherheitsvorkehrungen etwas an …. ist doch zuviel passiert die Tage.
Toni wird auch für den reibungslosen Einzug ins Schiff verantwortlich gemacht.

Moore nimmt mich beiseite und fragt mich ob ich nicht mal versuchen könnte ein wenig mit dieser Acacia Lexington zu sprechen so von Frau zu Frau und Wissenschaftlerin zu … blabla. Natürlich als Expeditionsabgesandte. Mal auf Tuchfühlung gehen. Nur Starkweather soll es nicht mitbekommen, da scheint irgendwas zwischen den beiden vorgefallen zu sein. Überrascht mich jetzt auch nicht, nach seinen Reaktionen auf ihr Ankündigung. Ich vereinbare also einen Termin bei ihr und lade emma zu diesem Ausflug mit ein.

08.09.1933

Emma, Maurice und ich besuchen am Vormittag die Beerdigung von Douglas. Das gebietet der Anstand und wer weiß was sich da noch herausfinden läßt …
nicht besonders viel wie wir feststellen müssen.
Hanson ist natürlich auch da. Aber der Mann lässt sich nicht dazu bewegen uns mit den desertierten Matrosen oder irgendwie anders in dieser Situation mit Informationen zu helfen, wiewohl er die unseren wohl nützlich fand.

Ein alter Seebär plaudert bei Maurice ein wenig über den Zustand von Douglas nach der Dyre Exp., hat ihn verständlicherweise sehr mitgenommen damals. Und dann erwähnt er noch einen jungen Piloten+Biologen, der dabei war und als Überlebender zurückkehrte – Name irgendwas mit D – über den sei wohl damals auch berichtet worden. Ich recherchiere später ein wenig: beim Abgleich mit der Besetzungsliste den Namen Paul Dawforth gefunden. Der war “erst” beim 2. Aufklärungstrupp dabei und hat wohl deswegen überlebt. Hat sich nach der Rückkehr selbst eingewiesen. Aber sein weiterer Verbleib, wie auch der von Dyre bleiben ungeklärt.

Emma und ich besuchen A. Lexington.
Wir werden von ihr sehr freundlich begrüßt. Es gibt nur eine Spitze in die Richtung, das es doch schön gewesen wäre, sich früher einmal zu treffen …
Sie wohnt sehr beeindruckend!
In der Eingangshalle/Treppenhaus fallen mir zwei Gemälde auf:
ein Landkartenausschnitt Südamerikas – im Gespräch mit Acacia erfahre ich, dass es sich um die älteste bekannte Karte (1533) Südamerikas handelt, erstellt vom türk. Admiral Piers Reis, sie zeigt einen – zumindest heute nicht mehr existenten – Wurmfortsatz am Süden. Manche behaupten wohl, dass es sich dabei um die Antarktis handele. Ihr Vater hatte die Karte damals erworben, sie weiß leider nicht von wem.
Das zweite ist vom russ. Maler Nicolas Roehrig und zeigt eine (Himalya-?)Höhlenansicht mit schemenhaften Figuren (korrekt?). Roehrig ist ein durch seine Himalaya/Tibet/Nepalreisen beeinflusster und bekannter Maler mit starken buddhistischen Einflüssen. (Ihr Vater hat die Karte von Roehrig selbst geschenkt bekommen, sie sind zusammen gereist. – Anmerkg. Tilla: richtig oder flasch im Gedächtnis behalten?)

Im Gespräch erklärt Acacia, sie betrachte ihre Expedition als Vermächtnis und im Gedenken an ihren Vater, der sie in den Bann seiner Leidenschaft für die Antarktis gezogen habe.
Sie glaube auch nicht daran, dass er damals Selstmord begangen habe, will sich aber nicht weiter dazu äußern, sie “habe ihren Standpkt. damals geäußert”. Ich werde später meinen Assistenten beauftragen mir die damalige Presse zusammen zu suchen.
Sie erwähnt als möglichen Auslöser seiner Leidenschaft den Roman “Die denkwürdigen Erlebnisse des Arthur Gordon Pym” von E. A. Poe. Ihr Vater besaß ein sehr altes Script, wohl die ursprüngliche Version. Acacia will nicht weiter darüber reden, aber in irgendeiner Weise hängt dieses Buch auch mit seinem Tod zusammen – da besteht Recherchebedarf.

Als ich das Gespräch auf die bevorstehenden Expeditionen lenke, verändert sich die Stimmung. In Acacias Stimme ist Zorn zu bemerken. Ihre Expedition “wird besser in allen Hinsichten” werden. Der Auslauf ihrer Talhahasse ist für den 10. (11.?)09.geplant.

Am Abend des 8. ziehen wir ins Schiff ein – sehr aufregend!
Nachdem wir uns einigermaßen eingerichtet haben, bewege ich mich zum Sektempfang neben dem Schiff. Es herrscht eine vorfreudige Stimmung, als plötzlich das nicht weit entfernte Treibstofflager in die Luft geht. Toni eilt sofort den dortigen Arbeitern zur Hilfe. Ich erstarre, bis ich sehe, wie ein mit – nun brennenden – Benzinfäsern beladener Kran in Richtung Schiff schwenkt. Auch Stalkweather sieht das und setzt sich sofort in Bewegung. Er will offensichtlich versuchen den Kran zu erklimmen und umzusteuern. Emma und ich eilen ihm zu Hilfe. Etwas planlos sehen wir uns um. Wir erblicken einen Wasserschlauch und versuchen das Wasser zum Laufen zu bekommen. Toni eilt uns zur Hilfe. Mit mehr Glück als Verstand schaffen wir es mit dem Wasserstrahl die Benzinfässer vom Kran ins Wasser zu befördern …
Am Ende beklagen wir drei tote Dockarbeiter, etliche Verletzte und einige zum Glück nicht schwerwiegende Schäden am Schiff.
Im Schimmer des noch glühenden Treibstofflagers läuft die Talhahassi mit der Flut aus.

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